Nika prevc schreibt in planica neue flug-geschichte: 242,5 meter

Planica – 242,5 Meter. Die Zahl flimmert im weißen Nebel der slowenischen Alpen, und plötzlich wird klar: Diese Saison gehört Nika Prevc. Beim Training auf der Letalnica katapultiert sich die 21-Jährige mit einem Sprung, der die alte Weltbestmarke um 6,5 Meter pulverisiert. Der alte Rekord? Auch ihr. Der neue? Ein Stück Sportgeschichte, geschrieben am Himmel über dem Hochtal.

Die Schanze zittert. Nicht vor Wind, sondern vor Erwartung. Schon beim Ablauf spürt die Slowenin, dass die Bedingungen passen. 104 km/h Absprunggeschwindigkeit, 15 km/h Rückenwind, 1,5 Sekunden Flugzeit – dann die Landung, weich wie ein Tuch. Die Richter zücken die 20er-Wertung. Die Menge im Tal brüllt. Planica besitzt nun erstmals beide Geschlechter-Rekorde. Domen Prevc, ihr Bruder, hatte hier vor einem Jahr 254,5 Meter gesprungen. Familie Prevc: erste Adresse der Flugkunst.

Warum dieser sprung mehr ist als ein rekord

Warum dieser sprung mehr ist als ein rekord

Die Zahl 242,5 steht nicht nur im Protokoll, sie ist ein Signal. Seit der Internationalen Skiunion Frauen endlich auf die Mamut-Schanzen lässt, zeigt sich: Die Physik kennt kein Gender. Nika Prevc nutzt denselben Luftrodeo-Effect, den schon Sven Hannawald und Peter Prevc beschrieben: kleinerer Körper, geringeres Gewicht, dafür höhere Startposition. Die Folge: längerer Flug. Der Sportwissenschaftler Dr. Klaus Dünnwald rechnet vor: „Bei gleicher Anlaufenergie fliegt eine 55-Kilo-Athletin rund acht Meter weiter als ein 70-Kilo-Mann.“ Die Athletin lacht, als sie das hört: „Ich springe nicht gegen Formeln, ich springe gegen mich.“

Samstag, 15:00 Uhr, gleiche Schanze. Dann steigt die Premiere: erster Frauen-Weltcup auf der Letalnica. Für Rekordweltmeisterin Katharina Schmid wird’s der letzte Wettkampf. 29 Jahre, zweimal Weltmeisterin, einmal Olympiasiegerin – und doch wird sie morgen nur Nebendarstellerin sein. Ihre Trainingsweiten: 154,5 und 183,0 Meter. Solide, aber keine Rekorddimensionen. Sie selbst sagt: „Ich will einfach nur ankommen, nicht abheben.“

Der Weltcup-Gesamtsieg ist bereits entschieden: Nika Prevc führt 680 Punkte vor Ema Klinec. Es wäre die erste perfekte Saison einer Skifliegerin seit Sara Takanashi 2016. Die Slowenin selbst redet das Thema klein: „Ich will nicht perfekt sein, ich will nur weit fliegen.“ Aber die Konkurrenz weiß: Wer in Planica weit fliegt, fliegt auch in die Geschichtsbücher. Die Saison ist vorbei, die Ära beginnt.