Niels hintermann fährt in kvitfjell sein letztes rennen – ohne show, mit sehnsucht
Er verzichtete in Courchevel, schwieg in Garmisch, und jetzt steht er in Kvitfjell zum letzten Mal im Starthaus: Niels Hintermann (30) beendet am Samstag seine Weltcup-Karriere – ohne Helikopter, ohne Kostüm, nur mit sich selbst.
Die Entscheidung fiel in Crans-Montana, jener 16. Rang war seine Zielfahrt. Danach sagte er ab. Erst Garmisch, dann Courchevel. „Ich habe gemerkt: Der Druck ist weg, der Funken auch“, sagt er im SRF-Gespräch nach dem ersten Training in Norwegen. „Ich wollte nicht mehr rennen, ich wollte nur noch fahren.“
Ein roadtrip statt ruhm
Statt ins Flugzeug setzte er sich ins Auto. 1 600 Kilometer von der Schweiz nach Kvitfjell, allein, mit Hands-free und Erinnerungen. „Ich habe mit jedem Trainer, jedem Servicemann, jeder Skiwäsche-Frau telefoniert. Am Ende hatte ich Tränen im Bart und Tanken im Nacken.“ Die Strecke war seine private Abschiedstour, die Autobahn sein Diarium.
Zwei seiner drei Weltcupsiege holte er auf dieser Piste. Die Zahlen kennt er nicht mehr auswendig, aber die Geräusche: „Das Knirschen am Hang, wenn die Kanten reinbeißen, das kommt nie mehr.“ Deshalb will er auch kein „Kasperletheater“. Adrien Théaux‘ Abschied in Courchevel mit Regenjacke und Selfie-Stick war nett, „aber das ist nicht mein Film“.

Die uhr wird kaltgelegt
Samstag fährt er mit Startnummer 27, irgendwo zwischen den Jüngeren, die sich noch messen lassen müssen. Die Zeitjury wird ihre Stoppuhr trotzdem starten – aus Reflex. „Die wird aber kalt bleiben“, lacht Hintermann. „Für mich zählt nur, dass ich die Tore spüre. Punkte sind Schnee von gestern.“
Die Entscheidung bereut er nicht. „Ich bin gesund, ich bin frei, und ich habe das Gefühl, dass ich morgen schon wieder Brot schmieren kann, ohne dass mich jemand fragt: Was ist mit dem nächsten Training?“ Seine Frau wartet im Ziel, die Eltern stehen an der Streckenseite. Danach? „Erstmal Schlitten statt Ski. Und vielleicht ein Bier auf der Rückbank des Autos. Das reicht.“
Ein letztes Mal donnert der Schweizer durch die Flutlicht-Laternen von Kvitfjell. Kein Kostüm, kein Clown. Nur ein Skifahrer, der sich verabschiedet – und dabei sogar die Zeit anhält.
