Nico williams sprintet zurück: athletic bekommt seinen turbo wieder

Freitag, Lezama, 10:34 Uhr. Da stand er wieder, der Knall im Dress. Nico Williams trat ins Feld, die Kollegen bildeten Spalier, Pfiffe, Schulterklopfen, ein paar gut platzierte Klapse auf die Rippen – ein Ritual, das mehr sagt als jede Pressemitteilung. 38 Tage war der 21-jährige Flügelflitzer außer Gefecht, 38 Tage, in denen Athletic ohne seine Dribblings auskommen musste.

Die pubalgie hatte ihm die schuhe gesperrt

Seit Mitte Februar quälte sich Williams mit einer Schambeinentzündung durch Parallelarbeit, nur Laufband, nur Kraft, kein Ball. Die medizinische Abteilung schraubte das Pensum stündlich hoch, doch der Schmerz zog sich wie ein roter Faden durch den Alltag. „Wenn du Nico siehst, wie er lächelt, weißt du, dass der Knoten geplatzt ist“, sagte ein Betreuer. Und tatsächlich: beim Abschlusssprint riss er die Arme hoch, als hätte er schon wieder das Sekunden-Tor gegen Cádiz geschossen.

Valverde hat ihn sofort in die Gruppenübung gesteckt, erste Ballstaffeln, Diagonalstaffeln, ein paar Ein-gegen-Eins. Williams ließ die Hüfte kreisen, als wäre nie was gewesen. Die Uhr tickt, das Programm ist klar: zwei Wochen Volumen, dann Reaktivtraining, dann Teamgegenpress. Das Ziel ist nicht der Klassiker gegen Mallorca, das Ziel ist die Endphase – Copa, Europa-Platz, vielleicht sogar die Nationalmannschaft, die Luis de la Fuente seit Wochen anruft.

Bilbao spürt den sog

Bilbao spürt den sog

In der Stadt spricht man wieder vom „Nico-Effekt“. Die Bars an der Licenciado Poza summen, die Trikotverkäufe der Nr. 11 liegen 34 % über dem Januarwert. Denn jeder weiß: Williams zieht nicht nur zwei Gegenspieler an, er zieht die ganze Mannschaft mit sich. Athletic ohne ihn: 1,2 Tore pro Spiel. Mit ihm: 2,0. Die Statistik ist so laut wie die Glocken der Begoña.

Und doch bleibt ein Hauch Vorsicht. Die medizinische Abteilung hat ein Minuten-Limit von 60 für die ersten drei Einsätze empfohlen, das Coaching-Team will die Last stufenweise erhöhen. „Wir schieben keinen zweiten Riegel auf, bevor der erste fest sitzt“, sagt Fitness-Chef José María Ruiz. Die Erinnerung an Oihan Sancet, der vor zwei Jahren zu früh zurückkehrte und sich innerhalb von sieben Tagen erneut verletzte, sitzt tief.

Für Williams selbst zählt nur eins: wieder der Nico sein, der in der 86. Minute noch den Ball in den Strafraum trägt und die Lungen der Gegner in Scherben reißt. Am Spielfeldrand stand sein Bruder Iñaki, der Kapitän, und filmte das Comeback mit dem Handy. Die Bilder gehen viral, aber die wahre Story steckt in den kleinen Schritten, die niemand filmt: das leise Platschen, wenn er zum ersten Mal wieder Vollgas gibt, das Knacken in der Hüfte – diesmal nur vom Gelenk, nicht vom Schmerz.

Athletic hat den Turbo zurück. Ob er sofort auf Maximum läuft, entscheidet sich nicht an diesem Wochenende, sondern in den nächsten 14 Tagen. Die Liga ist eng, die Uhr tickt, und Williams weiß: ein einzender Lauf reicht, um die Saison neu zu schreiben.