Nicht nominiert: di giustos super-league-show reicht yakin nicht

Matteo Di Giusto spielt sich in Ekstase, Murat Yakin schaut weg. 24 Skorerpunkte, 25 Jahre alt, kein Platz in der Schweizer Nati – das ist keine Auswahl mehr, das ist eine Provokation.

Die Liga jubelt, die Experten rasen. Admir Mehmedi legt die Karten offen: „Wenn man die Zahlen vergleicht, hat Di Giusto mehr Argumente geliefert als Monteiro.“ Timm Klose stimmt zu, nennt die Nicht-Berücksichtigung „schwer nachvollziehbar“. Beide reden offen, weil beide wissen: In jedem anderen europäischen Top-Verband wäre ein Mittelfeld-Playmaker mit 12 Toren und 12 Vorlagen längst gesetzt.

Die hintergründe bleiben im dunkeln – yakin schweigt

Murat Yakin nominiert Joël Monteiro, der bei Young Boys auf halber Stärke läuft und nur halb so viel zustande bringt. Der Bund trainiert in St. Gallen, Di Giusto trainiert in Luzern – zwei Stunden entfernt, zwei Universen. Kein Anruf, keine Erklärung. „Ich mache meinen Job“, sagt der Luzerner, mehr kriegt man aus ihm nicht heraus. Diese Ruhe ist keine Gelassenheit, sie ist die Haltung eines Profis, der weiß, dass Tränen keinen Pass auf dem Formticker erzeugen.

Die Statistik lügt nicht: Seit November steigt Di Giusto in fast jedes zweite Tor des FC Luzern direkt ein. Er eröffnet Räume mit einem Kontakt, versieht Flanken mit Präzision, trifft aus Drehung sowie aus Distanz. Sein Spiel ist reif, sein Timing perfekt – nur der Nationstrainer tickt anders.

Intern heißt es, Yakin vertraue auf „Balancier und Laufleistung“. Gemeint ist: Di Giusto wirke in Pres-Situationen nicht laut genug. Doch Spuren hinterlässt, wer Tore erzielt, nicht wer am lautesten schreit. Und wer 24 Punkte sammelt, liefert mehr Balance als jede rhetorische Schiene.

Die saisonziel-gleichung: fcl braucht seinen motor

Die saisonziel-gleichung: fcl braucht seinen motor

Luzerns Coach Alex Frei baut jeden Samstag auf dieselbe Achse: Dähler vor, Di Giusto dahinter. Ohne ihn sinkt die Pass-Quote, ohne ihn verflüchtigt sich die Spielfreude. Die Europa-League-Träume der Innerschweizer sind an seinen Fuß gebunden. Verletzungsfrei, kartefrei, kopfschmerzfrei – so etwas gibt es selten in der Super League. Ein Luxus, den Yakin ignoriert.

Die Fans reagieren unverhohlen: „Nati ohne Di Giusto ist wie Cervelat ohne Senf“, lautet ein Spruch auf Fahnen im Sektor C. Es klingt derb, trifft aber den Punkt. Denn wenn das Team in Rot-Weiss in den März startet, fehlt die einzige Konstante, die gerade Hochform mit Spielfreude verbindet.

Di Giusto selbst schirmt sich ab. Er trainiert nach dem Abschlussspiel noch 20 Minuten mit dem Co-Trainer, lässt die Beine kreisen, die Gedanken nicht. „Alles Weitere wird kommen, wenn die Zeit reif ist“, sagt er und meint: Er wird weitermachen, Tore vorbereiten, Kreuze statt Trikots sammeln. Und irgendwann wird auch Yakin die Zahlen nicht mehr ignorieren können.

Bis dahin bleibt eine Frage in der Luft: Wie viele Tore braucht ein Spieler, der schon alles trifft, um endlich eingeladen zu werden? Die Antwort lautet: eine mehr – oder einen anderen Trainer.