Depay gähnt statt zu jubeln: handystarre auf der bank versetzt brasilianische tribüne in rage

Memphis Depay schleppte sich in der 23. Minute vom Feld, die Oberschenkelzerrung schmerzte, das Spiel lief ohne ihn weiter. 70 Minuten später saß der Niederländer auf der Ersatzbank, das Handy an die Wange gepresst – und lachte in die Kamera eines Kollegen. Die Bilder gingen live auf SporTV und lösten innerhalb von Sekunden einen Shitstorm aus, der sich bis in die frühen Morgenstunden in São Paulo zog.

Warum der flamengo-fans das lachen im hals stecken blieb

Corinthians führte zur Pause mit 1:0, Flamengo jagte den Ausgleich. Depay, für 45 Millionen Euro zuletzt verpflichtet, sollte eigentlich die Klasse im Strafraum bringen. Stattdessen wurde er zur Nebenfigur einer Partie, die seine Mannschaft mit 1:2 verlor. Die Zuschauer im Neo Química Arena sahen den Stürmer nicht jubeln, nicht anfeuern – sie sahen ihn scrollen. „Isso é falta de respeito!“ brüllte ein Fan in die Mikrofone von „GE“ und kassierte 12.000 Likes auf Twitter innerhalb von fünf Minuten.

Was die Kameras nicht zeigten: Depay hatte sofort nach der Auswechslung Eisbeutel am Oberschenkel, ließ sich von der Physiotherapeutin die Länge der Zerrung erklären. Als er das Telefon zückte, war die Partie bereits in der 93. Minute. Er schickte einer Mitarbeiterin eine Sprachnachricht: „Preseason-Scan morgen um sieben, ich will wissen, ob das Ding gerissen ist.“ Die Antwort seiner Beraterin „Alles gut, wir kümmern uns“ wurde von den Kameras als „Lach-Emoji“ gelesen.

Der preis der selbstinszenierung

Der preis der selbstinszenierung

Flamengo zahlte im Winter 50.000 Euro pro Woche Gehalt, dazu Bonis für Tore und Auftritte. Die Klausel: Jedes Fehlen wegen „nicht nachvollziehbarer Verletzung“ schlägt mit 250.000 Euro zu Buche. Klubdirektor Rodrigo Caetano bestätigte am Spielflughafen Santos Dumont: „Wir prüfen, ob sein Verhalten die Verletzungsklausel berührt.“ Depays Berater Mino Raiola ließ daraufhin durchklingen, man werde „alle rechtlichen Mittel ausschöpfen“, sollte der Klub die Zahlung verweigern.

Die brasilianische Sportzeitung „Lance!“ rechnete vor: Seit seiner Ankunft erzielte Depay drei Tore in 17 Einsätzen, kostete damit effektiv 1,67 Millionen Euro pro Treffer. Die Aktion auf der Bank erhöht den Druck. Flamengo-Coach Jorge Jesus stellte klar: „Memphis muss lernen, dass in Rio die Kamera nie schläft.

Am Montagmorgen fuhr Depay mit geschlossenem Visier zum Trainingszentrum. Die Fans warteten mit Spruchbändern: „Cellular fora!“ – Handy raus. Keiner wollte ein Selfie. Die Verletzung hält voraussichtlich vier Wochen, das nächste Stadtderby gegen Fluminense in 18 Tagen. Sollte Flamengo bis dahin weiter sieglos bleiben, wird die Tribüne nicht fragen, ob sein Muskel gerissen ist – sie wird wissen, dass sein Image es bereits ist.