Newcastle verspielt derby-kracher: woltemade mit erstem assist seit monaten, sunderland siegt spät

St. James’ Park bebte, doch am Ende verstummte das Gebrüll. Newcastle United kassierte im Tyne-Wear-Derby gegen den AFC Sunderland in der Nachspielzeit den 1:2-Packenschlag und rutscht auf Tabellenplatz zwölf ab. Die Black Cats ziehen dank Brian Brobbeys 90.–Minuten-Knaller an den Magpies vorbei. Nick Woltemade, zuletzt von Verletzungspech verfolgt, durfte zumindest einen Silberstreif mitnehmen: sein erster Scorerpunkt seit dem 4. Januar.

Der frühe glückstreffer und der lange schatten des var

Nach zehn Minuten schien die Welt noch in Ordnung. Ein katastrophaler Sunderland-Abstoß landete bei Woltemade, der sofort Anthony Gordon bediente – 1:0. Die Südtribüne sang sich heiser. Doch die Führung hielt nur bis zur 57. Minute, als Chemsdine Talbi nach Ecke per Seitfallzieher einköpfte. Die Vorentscheidung folgte in der letzten Spielminute: Brobbey, erst in der Winterpause von Leipzig gekommen, schlenzte aus 16 Metern ins lange Eck. Newcastle-Trainer Eddie Howe schlug die Hände über dem Kopf zusammen, sein Team hatte in den letzten sechs Derby-Pflichtspielen nur ein einziges Mal gewonnen.

Die größte Empörung entzündete sich aber an der 75. Minute. Malick Thiaw köpfte eine Jacob-Murphy-Flanke versenkt, Schiri Anthony Taylor aber zog den Treffer wegen Abseits und Behinderung von Keeper Melker Ellborg zurück. Die TV-Bilder zeigen: Murphy stand minimal vor letztem Mann, Ellborg war noch nicht am Ball. Howe tobte, die Sunderland-Bank jubelte – ein VAR-Eingriff, der die Rivalität um zwei weitere Brennstofflöffel anheizt.

Rassismusvorwurf überschattet den klassiker

Rassismusvorwurf überschattet den klassiker

Kurz nach Talbis Ausgleich wurde das Spiel für drei Minuten unterbrochen. Der Grund: nach Vereinsangaben „diskriminierende Beleidigungen“ gegen Lutsharel Geertruida, an Sunderland verliehen von RB Leipzig. Laut Premier-League-Mitteilung auf X ging es um rassistische Beschimpfungen aus Block G4. Die Northumbria Police kündigte sofort Ermittlungen an, St. James’ Park wird in den nächsten Tagen vermutlich mit einem Teilzuschauerausschluss rechnen müssen. Geertruida selbst ließ nach Abpfiff durch den Verein verlauten: „Ich will nur Fußball spielen. Was heute fiel, hat nichts auf dem Rasen verloren.“

Für Woltemade bleibt ein fader Beigeschmack. Der 22-Jährige lief 65 Minunden, gewann 67 % seiner Duelle, doch seine Auswechslung fiel genau in die Phase, als Sunderland die Schlagzahl erhöhte. Sein Assist war gleichzeitig Newcastles einziger Torschuss ins Torframework – die Magpies schossen danach keinen Ball mehr aufs Tor. Statistik, die wehtut.

Der Tabelle nach: Sunderland springt auf Rang elf, Newcastle bleibt auf zwölf – nur zwei Punkte trennen die Erzrivalen, doch die Moral ist längst nicht mehr gemessen in Zahlen. Die Black Cats feiern den ersten Auswärtssieg im Derby seit 2016, während Howe die nächste Krise vorprogrammiert ist: Auswärts bei Tottenham, dann Heimspiel gegen Chelsea. Für Woltemade heißt es: Form konservieren, nächste Chance nutzen. Die Fans werden sich an diesen Sonntag erinnern – nicht wegen eines Tores, sondern wegen eines Spiels, das alte Wunden aufriß und neue offen ließ. Die Saison ist noch lang, aber die Narben bleiben.