Neuer-ausfall trifft bayern zur unzeit – urbig muss liefern
Die Wiederholung des Alptraums: Manuel Neuer muss das Achtelfinal-Hinspiel bei Atalanta Bergamo aussetzen, weil seine Wade sich erneut revoltiert. Jonas Urbig rückt in die Startelf – und trägt damit nicht nur die Handschuhe, sondern auch die Erwartungshaltung eines ganzen Klubs.
Urbig kennt die rolle, nicht die last
Schon vor zwölf Monaten sprang der Kölner Leihgast ein, damals gegen Leverkusen. Drei Champions-League-Einsätze in Serie, kein Gegentor im Hinspiel, zwei im Rückspiel. Die Zahlen klingen nach Routine, doch das Stadion in Bergamo ist kein Training. 21 000 Atalanta-Ultras, eine Gegner-Pressing-Maschine, die selbst Real Madrid in die Knie zwang. Urbig wird sich anhören müssen, warum er nicht Neuer ist – und warum er trotzdem gewinnen muss.
Die Physiotherapeuten hatten gehofft, den leichten Muskelfaserriss mit einer Mischung aus Laser, Eis und Schonung in den Griff zu bekommen. Doch die Wade verlor erneut die Geduld, als Neuer am Freitag beim 3:0 in Bremen nach der Pause zurückkehrte. Kein Kontakt, kein Foul, nur ein plötzliches Ziehen. Die Diagnose: erneuter Mikroriss, Ausfallzeit mindestens eine Woche. Für den Rekordmeister ein Déjà-vu mit unangenehmem Beigeschmack.

Die verstehene nachfolge beginnt jetzt
Vincent Kompany muss seine taktische Grundordnung umbauen. Mit Neuer beginnt der Spielaufbau bereits 45 Meter vor dem eigenen Tor, mit Urbig bleibt das Risiko höher. Der 22-Jährige zeigte gegen Bremen, dass er den langen Diagonalball beherrscht – 48 von 54 Pässen kamen an. Doch Atalanta lauert auf jeden Fehltritt. Die Serie A-Truppe erzwingt im Schnitt 15,3 Ballgewinne im gegnerischen Drittel, nur der BVB liegt in der Bundesliga höher. Urbigs Entscheidungsspeed wird auf Probe gestellt.
Im Klub kennt man die Gemengelage. „Jonas hat die Ruhe eines 30-Jährigen“, sagte Keeper-Coach Michael Rechner vor Wochenfrist. Die Statistik gibt ihm recht: Urbig parierte 76 % der Schüsse auf sein Tor in den vergangenen Pflichtspielen, Neuer liegt bei 72 %. Kleine Zahl, große Symbolik. Die Bayern haben keinen klassischen Ersatzmann mehr, sie haben einen designierten Nachfolger, der jetzt liefern muss, bevor die Frage nach Nübel überhaupt aufkommt.
Die Entscheidung fällt am Mittwoch um 21 Uhr. Dann steht Urbig zwischen den Pfosten, Neuer auf der Tribüne. Die Wade des Kapitäns wird heilen, der Druck auf seinem Stellvertreter bleibt. Denn wer in der Champions League glänzt, schreibt sich nicht nur in die Startelf, sondern manchmal auch in die Zukunft des Klubs. Urbig weiß: Ein gutes Spiel genügt nicht, ein schlechtes kann alerteren.
