Neuer zieht in madrid den stecker – und lächelt trotz mbappé-treffer
Der Silberpokal für den Spieler des Spiels wippte nur Sekunden in Manuel Neuers Händen, da hatte er schon die Pointe parat: „War der erste schon drin? Ist ja ‚ne Frechheit.“ Kein Selbstlob, kein Heldenpathos – nur ein Torhüter, der 90 Minuten lang Real Madrids Tempogötter an die Wand gespielt hatte und sich nun über das einzige, schmale Gegentor ärgerte.
Neun top-chancen, ein eigentor der nerven
Die Zahlen allein sind schon ein Film: neun klarer Torchancen für Kylian Mbappé und Vinícius Junior, zwei Schüsse aus fünf Metern, drei Lupfer, ein Volley. Alles pariert, alles weggefaustet. Dann die 83. Minute: Mbappé nimmt einen Steilpass mit, dreht sich in einem Ruck, Visier unten links. Neuer streckt sich, kratzt mit den Fingerspitzen – doch der Ball kullert über die Linie. 2:1, Endstand. „Schade, dass es kein 2:0 geworden ist“, sagt Neuer und klingt dabei wie ein Lehrer, der eine fehlende Komma-Setzung bemängelt.
Im Mannschaftsbus hält man die Luft an. Antonio Rüdiger twittert später: „Bayerns bester Spieler war der Typ mit der Mütze im Tor.“ Jonathan Tah spricht von einer „Aura“, Mats Hummels kommentiert live und urteilt: „Eins mit Sternchen. Weltklasse.“ Es sind keine Floskeln mehr, es sind Bekenntnisse.

Mbappé und vinícius? „mit die besten der welt“
Neuer selbst redet die Rettungsaktion herunter, lobt dafür seine Peiniger in höchsten Tönen. „Die haben Geschwindigkeit, können mit beiden Füßen schießen, Dribbling atemberaubend. Wenn die im Eins-gegen-eins so viel Raum kriegen, ist das hart.“ Er sagt das, als hätte er gerade einen Schachcomputer geschlagen und nicht zwei Fußballer, die zusammen 350 Millionen Euro Marktwert auf dem Buckel haben.
Die Frage nach dem Alter stellt sich trotzdem. 40 Jahre, 139 Europapokal-Einsätze, 209 Champions-League-Spiele. Und? „Es macht Spaß mit den Spielern, mit dem Trainerteam“, sagt er. „Deshalb bin ich noch da.“ Ob das auch nächste Saison gilt, wischt er mit einem Schulterzucken ab. Die Antwort steht irgendwo zwischen den Pfosten – und die ist noch lange nicht endgültig.
Am Mittwoch kommt Real nach München. Ein Tor recht den Spaniern, alles ist offen. Aber eins ist sicher: Wenn der Schiri pfeift, steht wieder dieser eine Deutsche im Tor, der den Ball so sicher fängt wie andere ihre Brieftasche. Und vielleicht, nur vielleicht, scherzt er dann wieder – wenn Mbappé und Vinícius diesmal mit leeren Händen dastehen.
