Neuer beendet dfb-karriere: die traurige bilanz eines comebacks, das nie hätte

Manuel Neuer stand imElfmeterschießen gegen Paraguay und ahnte bereits, dass dies der letzte Moment seiner Nationalmannschaftskarriere sein würde. Der 40-Jährige parierte keinen einzigen Ball, Deutschland verlor 3:4 und schied als Gruppenzweiter bereits im Sechzehntelfinale aus. Ein bitteres Ende für einen Torhüter, der zurückgekommen war, um Geschichte zu schreiben – und stattdessen eine verpasste.

„Ich habe alles gegeben“, sagte Neuer nach der Niederlage beiMagenta TV. Die Stimme klang leer. „Es ist extrem bitter, so aufzuhören.“ Die Worte klingen wie ein Geständnis. Denn dieses Comeback war von Anfang an umstritten. Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte Neuer persönlich überredet, die Rückkehr anzutreten – und verdrängte damit Oliver Baumann, der in der gesamten WM-Qualifikation die Nummer eins gewesen war.

Zehn spiele ohne weiße weste: der unrühmliche rekord

Was folgte, war eine Tortur aus kleinen und großen Demütigungen. Neuer hatte sich kurz vor dem Turnier eine Wadenverletzung zugezogen, verpasste die letzten Testspiele und kehrte erst beim Kantersieg gegen Curaçao (7:1) ins Tor zurück. Bis zum Aus gegen Paraguay kassierte er in jedem Spiel mindestens einen Gegentreffer – insgesamt zehn Partien am Stück.

Diese Serie teilt er nun mit Antonio Carbajal, dem mexikanischen Torhüter, der zwischen 1950 und 1962 ebenfalls zehn WM-Spiele hintereinander nicht zu null spielte. Die Ironie ist schmerzhaft: Neuer war als Maßstab für deutsche Torwartexzellenz angetreten, und nun hängt sein Name an einer Statistik, die seit über sechzig Jahren niemand mehr erreicht hatte.

Die letzte weiße Weste auf WM-Niveau? Das war das Finale 2014 gegen Argentinien. Damals hielt er den Sieg fest, wurde zum Weltmeister. Zwölf Jahre später endet die Karriere mit dem Gefühl, dass die Zeit vorbeigeghen ist, ohne anzuklopfen.

Nagelsmanns wette ging schief

Nagelsmanns wette ging schief

Die Entscheidung für Neuer war stets Nagelsmanns persönliche Wette gewesen. Der Trainer hatte auf Erfahrung gesetzt, auf Führung, auf den Mythos des Mannes, der 2014 den Pokal in die Höhe stemmte. Doch was auf dem Papier nach Romantik klang, entpuppte sich als strategischer Fehlgriff.

Gegen Ecuador (1:2) musste Neuer schwere Kritik einstecken, seine Unsicherheit bei Standardsituationen wurde zum Thema. Der einstige Weltklassetorhüter wirkte manchmal wie ein Fremdkörper in einer Mannschaft, die sich neu formieren wollte, aber an der Vergangenheit festhielt.

„Wir hätten alles in der eigenen Hand gehabt“, sagte Neuer. Aber hatten sie das wirklich? Die Mannschaft wirkte gespalten, die Balance zwischen Alt und Jung nie gefunden. Baumann saß auf der Bank, die Frage nach dem Warum begleitete das Team durch das gesamte Turnier.

Nun ist Schluss. Kein Pokal, kein emotionaler Abschied, kein letzter großer Moment. Nur das Gefühl, dass etwas Unfertiges zurückbleibt. Für Neuer persönlich, der sich „alles gegeben“ hat – und für den deutschen Fußball, der erneut lernen muss, dass Nostalgie keine Taktik ist.