Neuer bannt madrid: bayern erstmals seit 24 jahren wieder sieger im bernabéu
Manuel Neuer streckte sich, riss die Arme hoch und schrie. 83. Minute, Vinícius frei vor ihm, das Stadion schon am Rande der Explosion – doch der Ball klebte an seinen Handschuhen. Die Festung Bernabéu schwieg. Und der FC Bayern tanzte auf dem Rasen, endlich wieder.
2:1 in Madrid. Ein Sieg, der 24 Jahre auf sich warten ließ. Ein Sieg, der im ersten Viertelfinal-Duell der Champions League alles offenhält für den großen Wurf am 15. April im Rückspiel. Ein Sieg, der vor allem eines war: ein Neuer-Solo mit Gäste-Ausstattung.
Kane spielt trotz knöchel, díaz trifft, mbappé trifft – doch neuer entscheidet
Die Story begann mit einem Fragezeichen. Harry Kane, der Knöchel geschwollen, das Training verpasst. Dann die Nachricht: Er spielt. Und wie. 41. Minute: Vinícius verliert den Ball an Olise, Kane legt quer, Díaz vollstreckt. 46. Minute: Pavlović erobert, Olise leitet weiter, Kane schiebt ein. Zwei Tore, beide mit Kane-Beteiligung. Elf Treffer in dieser Königsklasse-Saison, die Liga brault, England jubelt, München atmet.
Doch Real ist Real. Mbappé läuft auf, 74. Minute, der Anschluss, das Stadion tobt. Es hätte noch mehr werden können. Wäre da nicht Neuer gewesen. 16. Minute rettet er nach eigenem Fehlpass, 18. Minute gegen Vinícius, 29. Minute gegen Mbappé, 65. Minute wieder gegen Mbappé, 83. Minute gegen Vinícius. Sechs Großchancen, sechs Mal Neuer. Die Zahlen lügen nicht: Ohne ihn stünde es 2:4.

Die tchouaméni-frage und die geister von 2024
Im Rückspiel fehlt Aurélien Tchouaméni, Gelb-Sperre. Ein Geschenk. Doch die Bayern wissen: Geschenke sind in Madrid oft verflucht. Erinnerungen an Joselu, an die Hymne „Hala Madrid“, an das Aus im Vorjahr, flimmerten vor Spielbeginn über die Leinwände. Da war es gut, dass Neuer die Vergangenheit mit einer Gegenwart vertreibt, die keine Gnade kennt.
Vincent Kompany feiert sein 100. Spiel als Bayern-Trainer. Mit Kane als Zehner, mit Pavlović als Sechser, mit einem Pressing, das nicht immer funktionierte, aber am Ende doch trug. Die Balleroberung vor dem 2:0 war kein Zufall, sondern die Belohnung für eine Mannschaft, die lernte, dass man in Madrid nicht dominiert, sondern überlebt.
Am Ende standen die Bayern unter dem geschlossenen Dach, das erstmals laut wurde, doch sie hörten nur sich selbst. Ein Sieg, der nicht nur die Tabelle, sondern auch die Köpfe kippt. Die Rechnung: Ein Tor Vorsprung, ein Spieler mehr in Madrid, ein Neuer in Bestform. Die Botschaft: Die Festung ist gefallen. Der Henkelpott rückt näher. Und wer jetzt noch zweifelt, hat vergessen, wie schnell sich Stimmungen in der Champions League drehen. Am 15. April ist nichts entschieden – aber alles möglich.
