Negreira-prozess steht vor der entscheidung: 7,2 millionen euro und ein psychiatrisches gutachten
7,2 Millionen Euro, ein Mann im Schatten und ein Gutachten, das alles entscheiden kann. José María Enríquez Negreira betrat am Dienstagmorgen das Institut für Rechtsmedizin in Barcelona – und damit möglicherweise die letzte Bühne eines Skandals, der den FC Barcelona seit Monaten in Atem hält.
Sein Anwalt klagt seit Monaten über „kognitive Einschränkungen“. Die Staatsanwaltschaft vermutet eine Taktik. Nun liegt es an drei Gerichtsärzten, ob der frühere Vizepräsident des Schiedsrichterausschusses überhaupt verhandlungsfähig ist. Die Antwort kommt in Tagen, vielleicht Stunden – und könnte die Anklage gegen den Klub kippen.
Ein termin, der den fall lahmlegen könnte
Negreira war um 9.15 Uhr da, Frau an der Seite, Mundwerk versiegelt. Kein Wort zu den Kameras, keine Geste. Nur der Blick eines Mannes, der weiß: Wenn die Ärzte seinem Verschleiß glauben, ist er raus – und mit ihm möglicherweise der gesamte Strang, der Barça bis auf die Knochen treffen würde.
Der Richter ließ die Untersuchung anordnen, nachdem Verteidiger Juan Velasco neue Atteste vorgelegt hatte. Demnach leidet der 76-Jährige an „progressiven Gedächtnisstörungen“, die 2023 noch nicht so ausgeprägt gewesen seien. Die Gutachter müssen nun prüfen, ob diese Diagnose stichhaltig ist oder ob sie ein offensichtlicher Versuch ist, sich der Verantwortung zu entziehen.
Ein Gutachten, das „zur Aufnahme“ kommt, würde bedeuten: Fall eingestellt, kein Prozess, keine Zeugenvernehmung. Kommt es „zur Ablehnung“, steht Negreira im Herbst vor der Wirtschaftsstrafkammer – und der FC Barcelona mit ihm.

Am freitag ist barcelona dran
Kurz vor dem Ohrfeigen-Gutachten folgt der nächste Schlag. Am Freitag, 10. April, muss der Klub selbst erscheinen. Elena Fort, bis Februar Vizepräsidentin und jetzt Laportas Wahlkampfmanagerin, wird die Verteidigungslinie ankündigen: „Keine illegale Zahlung, keine Beeinflussung, nur Beratung.“
Die Richterin hat die Ermittlungen um ein halbes Jahr verlängert, weil neue Kontoauszüge aus den Jahren 2016 bis 2018 aufgetaucht sind. Summe: zusätzliche 1,4 Millionen Euro, ausgezahlt an eine Firma, die wiederum Negreira gehörte. Die Spanier nennen das „línea de flotación“ – das Letzte, was noch oben hält.
Barça-Fans fürchten das Worst-Case-Szenario: Punkteabzug, Geldbuße, Imageschaden in Milliardenhöhe. Die Gegner des Klubs jubeln schon jetzt: „Endlich Bewährung statt Ballons d’Or.“
Morgen um diese Zeit wissen wir mehr. Dann liegt das Gutachten im Richterzimmer. Entweder ist Negreira ein kränkelnder Rentner – oder derjenige, der 7,2 Millionen Euro kassierte, weil er wusste, wie Schiedsrichter ticken. Eine Frage von Papier und Stempel, nicht mehr.
