Nba und euroleague pokern um europas basketball-thron

Ein stiller Machtkampf in der Schweiz. Gestern trafen NBA, FIBA und EuroLeague in Mies zusammen – hinter verschlossenen Türen, aber mit offenen Rechnungen. Es ging um Milliarden, Macht und die Frage: Wer bestimmt künftig, wie Basketball in Europa läuft?

Der deal, den niemand beim namen nennt

Chus Bueno, seit Januar CEO der EuroLeague, saß erstmals als gleichwertiger Verhandlungspartner am Tisch. George Aivazoglou, Europachef der NBA, hatte die Zahlen dabei: über 120 Investoren, mehr als 20 Klubs aus Fußball und Basketball, darunter Top-Teams der EuroLeague, haben Interesse an einer neuen NBA-FIBA-Liga bekundet. Die Liga soll 2027 starten – mit zwölf festen Franchises plus vier qualifizierten Teams. Die EuroLeague hält dagegen: Sie will 2026/27 ihr System der Langzeitlizenzen in permanente Franchises umwandeln und hat sich dabei eine Bewertung von 3,2 Milliarden Euro attestieren lassen.

Die Fronten sind klar. NBA und FIBA liefern das Kapital, die EuroLeague liefert die Marken, die Fans und die Arenen. Doch wer bekommt wie viel vom Kuchen? Das war gestern die zentrale Frage – und sie bleibt offen. „Die Parteien vereinbarten, den Dialog fortzusetzen“, hieß es im gemeinsamen Statement. Mehr nicht.

Warum der 29. mai richtig knallen kann

Warum der 29. mai richtig knallen kann

Nächster Stopp: Badalona. Beim Final Four der FIBA Champions League treffen Bueno und Aivazoglou wieder aufeinander – diesmal vor Publikum. Dann soll es um die Verteilung der TV-Einnahmen gehen, um Sponsoring-Pakete, um die Frage, ob ein gemeinsames Produkt überhaupt Sinn macht. Denn die EuroLeague hat ein Ass im Ärmel: keine Pflicht, sich zu ergeben. Sie kann alleine weitermachen, mit oder ohne NBA. Die Liga hat die Klubs, die Stars, die Quote. Die NBA hat das Geld – aber nicht das Terrain.

Ein Insider aus dem Lager der EuroLeague sagt es so: „Wir wollen nicht zu Disney werden. Wir wollen Partner bleiben, nicht Tochter.“ Das klingt nach Stolz, ist aber auch Taktik. Denn wenn die NBA wirklich eine Konkurrenzliga aufzieht, müsste sie sich erstmal eine Infrastruktur bauen, die es so in Europa nicht gibt. Keine Akademien, keine Nachwuchsnetzwerke, keine regionalen Markenbotschafter. Die EuroLeague hingegen ist längst angekommen – in Madrid, Istanbul, Tel Aviv. Überall.

Der preis der unabhängigkeit

Der preis der unabhängigkeit

Doch die Rechnung hat einen Haken. Die EuroLeague braucht frisches Kapital, um mit der NBA mithalten zu können. Die Gehälter steigen, die Fans werden jünger und lauter, die Medienrechte teurer. Ohne amerikanische Investoren wird das schwer. Deshalb sitzt Bueno weiter am Tisch. Deshalb fliegen beide Seiten wieder nach Mies. Und deshalb wird der 29. Mai nicht nur ein Termin – sondern eine Zerreißprobe.

Es geht um nicht weniger als die Zukunft des europäischen Profibasketballs. Wer sich jetzt verrenkt, verliert. Wer zu frauf gibt auch. Die NBA will expandieren, die EuroLeague will bestehen. Beide wissen: Nur gemeinsam wird es ein Produkt geben, das die NFL in Europa alt aussehen lässt. Ob sie das auch schaffen? Die Antwort kommt in vier Wochen – oder nie.