Kompany lässt die mittellinie offen – psg schlägt bayern 5:4

Paris. 90 Minuten Irre. Neun Tore. Ein Champions-League-Halbfinale, das selbst alte Stahlmänner sprachlos zurücklässt. Der FC Bayern verlor beim 4:5 gegen Paris Saint-Germain mehr als drei Punkte – er verlor die Kontrolle über das, was einst seine größte Stärke war: die Balance.

Lizarazu zieht den stecker: „das war keine taktik, das war wunschdenken“

Bixente Lizarazu sitzt im Mixed-Zone-Turm von Parc des Princes, die Stimme rau vom Gegröle. Der Weltmeister von 1998 redet nicht lange herum. „Kompany hat auf Angriffsschach gespielt, vergessen, dass Kvaratskhelia und Dembélé Tempo haben wie Raketen“, sagt er und schlägt mit flacher Hand gegen die Wand. „Das ist nicht mutig, das ist naiv. Und Naivität wird in diesem Wettbewerb bestraft – mit fünf Toren vor der Pause.“

Die Zahlen sind gnadenlos: 13 PSG-Konter, 8 davon mit Ballgewinn in Bayern-Hälfte, 4 resultierende Großchancen. Die Räume zwischen Kimmich und Pavlović? Ein Hallenparkplog. „Wenn du gegen diese Pariser Geschwindigkeit offene Ketten spielst, brauchst du zwei Achter mit Sprintwerten wie Davies. Bayern hat keine“, so Lizarazu.

Handelfmeter? „ein geschenk, das verteidiger hassen“

Handelfmeter? „ein geschenk, das verteidiger hassen“

Der 2:5-Anschlusstreffer durch Musiala war kaum getrocknet, da pfiff Michael Oliver Elfmeter wegen Handspiels von Davies. Ball an Arm, Arm an Körper – trotzdem Strafstoß. Lizarazu verdreht die Augen. „Als Verteidiger ist so ein Pfiff unerträglich. Der Arm ist unten, der Körper gedreht, da bleibt keine Zeit wegzuziehen. Solche Regeln machen unsere Arbeit zum Roulette.“

Die Statistik unterstreicht seine Wut: In dieser Saison wurden in der Champions League bereits 19 Handelfmeter gegeben – so viele wie nie zuvor nach der Gruppenphase. „Früher musstest du jemanden umrempeln, heute berührst du den Ball mit der Kleidung – Elfmeter. Das tötet die sportliche Fairness.“

Comeback rettet das gesicht – aber nicht die taktik

Comeback rettet das gesicht – aber nicht die taktik

Dennoch: Das 4:5 war ein Gesichtswahrungslauf. Olise zerlegte Nuno Mendes, Díaz schlug Marquinhos zweimal im Eins-gegen-eins. „Das zeigt Charakter, keine Frage“, sagt Lizarazu. „Aber Charakter reicht nicht, wenn du im Rückspiel wieder so offen stehst.“

Die Prognose für München ist klar: „Bayern muss führen, sonst wird es eine Katastrophe. PSG kann dann kontern, wie es will.“ Die Zahlen bestätigen ihn: In den letzten 15 Heimspielen der Münchner in der K.o.-Phase gingen sie 12-mal in Führung – nur zweimal schafften sie ein Remis, wenn sie zuerst lagen.

Lizarazu steht auf, zieht die Kapuze hoch. „Ich liebe diesen Verein. Aber Liebe bedeutet auch, die Wahrheit zu sagen: Wer gegen Paris mit offenen Visier kämpft, verliert am Ende mit offenem Mund.“