Nawrath fliegt, perrot kassiert: kristall für den franzosen, frust für deutschland

Philipp Nawrath lief im finnischen Kontiolahti schneller als jeder andere, doch zwei Schießfehler kosteten ihn den Sieg. Der Deutsche wurde Fünfter, der Franzose Eric Perrot fuhr mit makelnder Schießleistung und vier Sekunden Rückstand dennoch souverän den Einzelsieg ein – und sicherte sich die kleine Kristallkugel.

Die besten ski reichen nicht, wenn die letzten schüsse zählen

Die Zuschauer saßen bereits auf der Zungenspitze, als Nawrath in der letzten Liegendschießserie anlegte. Ein Treffer, und er wäre mit der besten Laufzeit des Tages in Führung gegangen. Doch der 33-Jährige verzog, musste in die Strafrunde, und die Podestplätze rutschten durch die Finger. „Ich hab extra noch einmal abgesetzt – und trotzdem daneben“, sagte er nach dem Rennen sichtlich gezeichnet. Die Uhr hatte 2:19,6 Minuten Rückstand auf Perrot notiert, eine Ewigkeit im Einzel.

Dahinter lief bei den deutschen Herzen nichts mehr zusammen. Lucas Fratzscher beendete das Rennen mit drei Fehlern auf Rang 26, Leonhard Pfund folgte als 29. mit ebenfalls drei Strafrunden. Philipp Horn und David Zobel mussten sich mit Plätzen 32 und 35 begnügen. Keiner kam unter vier Minuten Rückstand – ein Debakel, das die Enttäuschung von Peking fortsetzt. Dort hatte das DSV-Team nur einmal Bronze geholt, diesmal droht vor dem Massenstart am Sonntag erneut Leere.

Perrot baut vor – fichtner will nachlegen

Perrot baut vor – fichtner will nachlegen

Während sich Nawrath mit der Rolle des Außenseiters abfindet, feiert Eric Perrot den vierten Einzelsieg dieser Saison. Der 24-jährige Franzose baute seine Führung im Gesamtweltcup aus und trägt nun auch die kleine Kugel für die Disziplinwertung mit sich. Für Deutschland bleibt Marlene Fichtner als letzte Hoffnung: Die 22-Jährige hatte am Donnerstag mit Rang fünf für den einzigen Lichtblick gesorgt und will im morgigen Massenstart nachlegen.

Der Weltcup in Kontiolahti endet am Sonntag mit der Frauen-Staffel (13:30 Uhr) und dem Männer-Massenstart (16:55 Uhr). Wer dann die Kristallkugeln in den Koffern hat, entscheidet sich auf der Zielgeraden – und nicht auf der Schießbank.