Bonnet demoliert das feld: schweizer doppelschlag bei der skiberg-em

Schweizer Lawine in Aserbaidschan. Rémi Bonnet zerlegt das Männerfeld mit drei Minuten Vorsprung, Thomas Bussard sichert sich Silber – und Marianne Fatton verpasst den Dreifach-Triumph nur um Sekundenbruchteile.

Bonnet fliegt, bussard folgt

Die Uhr zeigte 1:48 min – Bonnet war längst im Ziel, als der Letzte noch kämpfte. Der 29-Jährige aus dem Freiburger Skiclub trat die 1.700 Höhenmeter an wie ein Mann, der weiß, dass ihn niemand einholen kann. Hinter ihm: Landsmann Bussard, der sich nach seinem Sprint-Silber erneut die zweithöchste Treppenstufe sicherte. «Ich wollte Remi ärgern, aber er war heute nicht zu ärgern», sagte Bussard lachend und rückte die zweite Medaille zurecht.

Die Zahl 3:12 steht für sich: So groß war der Rückstand auf Rang drei, den ein italienischer Läufer ins Ziel schob. In der Skibergwelt ist das eine Ewigkeit – vergleichbar mit einem Marathon-Sieger, der mit Bierdurst ins Ziel läuft.

Fatton muss sich geschlagen geben

Fatton muss sich geschlagen geben

Marianne Fatton hatte den Hattrick vor Augen: Gold im Sprint, Gold mit Bonnet in der Mixed-Staffel, jetzt das Einzel. Doch Giulia Murada war an diesem Morgen schneller, 38 Sekunden schneller. Die Italienerin schob sich in die Siegerpose, Fatton schüttelte kurz den Kopf, dann lächelte sie: «Silber schmeckt auch.» Für die 27-Jährige aus Neuenburg ist es die zweite Medaille in Shahdag, und sie könnte noch eine dritte folgen – am Sonntag im Vertical.

Caroline Ulrich und Thibe Deseyn kamen auf Rängen fünf und sechs. Das Schweizer Quartett dominierte damit das Gesamtergebnis der Frauen so sehr, dass selbst der österreichische Trainer von Murada einraumte: «Die Schweizer sind eine Maschine.»

Vertical als schlusssprint

Vertical als schlusssprint

Noch ist die EM nicht vorbei. Am Sonntag folgt die Disziplin Vertical – 3,5 km mit 600 Höhenmetern, ein Sprint gegen die Schwerkraft. Bonnet hat bereits angekündigt, „noch einmal Vollgas“ zu geben. Fatton will Revanche für ihr verpasstes Gold. Und Bussard? Der schielt auf die nächste Medaille – und vielleicht auf den ersten Platz, diesmal ohne Bonnet vor sich.

Die Schweizer Delegation reist mit acht Medaillen im Gepäck nach Hause – und mit dem Gefühl, dass das beste Skiberg-Jahr noch vor ihnen liegt.