Naito fliegt mit geliehenen ski auf 242,5 m – fast aufs podest

Keine Ski, kein erster Wettkampf, ein umgebuchter Flug – und dann fast das Podest. Tomofumi Naito hat am Kulm eine Geschichte geschrieben, die man sich nicht ausdenken könnte. Der 33-jährige Japaner kam ohne sein eigenes Material in Österreich an, lieh sich die Ski des Franzosen Jules Chervet und flog damit auf 242,5 Meter – sein bestes Resultat überhaupt im Weltcup.

Ein chaos auf dem weg nach österreich, das fast alles verhindert hätte

Die Odyssee begann bereits in Tokio. Technische Probleme am Flughafen zwangen Naito zur Umbuchung. Teamkollege Ren Nikaido steckt derzeit noch in Dubai fest. Naito hatte mehr Glück – er erwischte eine frühere Verbindung und kam wenigstens in Europa an. Nur seine Ski blieben irgendwo zwischen Japan und Österreich hängen.

Das erste Fliegen am Kulm verpasste er deswegen komplett. In der Qualifikation für den Sonntag stand er dann plötzlich mit Chervets Material oben auf der Schanze – und überzeugte als Zehnter mit 222,5 Metern. Was folgte, war noch bemerkenswerter.

Vier zehntel vom podest entfernt – und trotzdem der abend gehörte ihm

Vier zehntel vom podest entfernt – und trotzdem der abend gehörte ihm

Hinter dem überragenden Domen Prevc, der mit 245,5 Metern einen neuen Schanzenrekord aufstellte, dem Österreicher Stephan Embacher und dem Norweger Johann André Forfang landete Naito auf Rang vier. Der Rückstand auf das Podest: gerade einmal 0,3 Punkte. Weniger als ein Wimpernschlag im Skifliegen.

Es war erst sein zweiter Auftritt überhaupt auf einer Skiflugschanze. Im Januar hatte er bei der Skiflug-WM in Oberstdorf debütiert – und direkt mit dem japanischen Team den Weltmeistertitel geholt. Im Dezember hatte er in Klingenthal mit Rang sechs seinen vorherigen persönlichen Bestwert im Weltcup markiert. Der Kulm hat diese Marke jetzt weit übertroffen.

Was dieser vierte platz über den skisprungs-zirkus sagt

Dass Chervet seine Ski einfach zur Verfügung stellte, ist kein Selbstverständnis. Im Leistungssport, wo Materialdetails oft über Sieg und Niederlage entscheiden, ist diese Geste bemerkenswert. Naito flog damit auf eine persönliche Bestweite – und ließ dabei gestandene Weltcup-Athleten hinter sich.

Vier Zehntel. Das ist die Zahl, die bleibt. Und irgendwo zwischen Tokio, Dubai und dem Kulm liegt die Geschichte eines Mannes, der mit fremdem Material fast aufs Podest geflogen wäre.