Nairo quintana zieht die notbremse: 2026 wird seine letzte saison

Stefan Fischer, TSV Pelkum Sportwelt – Sonntagmittag in Spain, Startaufstellung der Volta a Catalunya. Die Kameras richten sich nicht auf einen Favoriten, sondern auf einen Abschied. Nairo Quintana, 36, tritt vor die Presse, atmet tief durch und sagt den Satz, den kein kolumbianischer Fan je hören wollte: „Dies wird meine letzte Saison als Profi.“ Kein Drama, keine Träne, nur die Ruhe eines Mannes, der schon 5000 Höhenmeter über dem Meeresspiegel gelaftert hat.

Der condor fliegt nicht mehr

17 Jahre nach seinem ersten Vertrag beendet der Junge aus Boyacá eine Epoche. 51 Siege, drei Tour-Podeste, ein Giro- und ein Vuelta-Sieg – Zahlen, die ihn zum erfolgreichsten Radfahrer Südamerikas machen. Doch hinter den Statistiken steckt mehr: Quintana war der Pionier, der bewies, dass ein 1,65 m kleiner Bergfahrer aus der Andenprovinz die Alpen dominieren kann. Als er 2014 in Mailand die maglia rosa überstreifte, schrie ganz Kolumbien. Zwei Jahre später besiegte er Chris Froome auf der Angliru – die Vuelta war seine.

Die Krönung im Tour de France blieb aus, doch seine Angriffe auf Alpe d’Hueu oder Col de Portet sind längst Kult. Wer sich YouTube-Videos anschaut, hört nur noch spanische Kommentatoren, die „¡Nai-ro, Nai-ro!“ brüllen, als wäre es ein Fußballtor.

Kein rücktritt, sondern ein fest

Kein rücktritt, sondern ein fest

Quintana will 2026 keine Trauerparade. „Jedes Rennen wird ein Fest, mein letzter Tanz“, sagt er und klingt dabei wie ein Salsa-Sänger, der seine Abschiedstour ankündigt. Start ist heute in Katalonien, dann folgen Rundfahrten in Kolumbien, Kalifornien und schließlich die Vuelta a España – seine zweite Heimat. Dort will er auf der Cima Alberto Fernández noch einmal angreifen, nicht um zu gewinnen, sondern um sich verbeugen.

Nach der Zielankunft in Madrid stehen bereits neue Pläne: Quintana will seine Kaffeerösterei ausbauen, seine Sportbekleidungsmarke NQ global platzieren und mit dem Gran Fondo Nachwuchsfahrer fördern. Die Berge bleiben, nur das Material wechselt.

Ein ende, das kolumbien verändert

Ein ende, das kolumbien verändert

Mit Quintana verschwindet das letzte aktive Mitglied der „Generación 2010“. Rigoberto Urán ist Manager, Esteban Chaves kämpft mit seinem krankheitsbedingten Rücktritt, Sergio Henao fährt bereits Gran Fondos. Für kolumbianische Kinder wird es künftig keine Live-Bilder mehr geben, in denen einer ihrer eigenen Angriffe fährt. Stattdessen bleiben 5000 Straßenkarrieren, die Quintanas Stiftung asphaltiert hat, und ein Satz, der in Schulbüchern steht: „Träume nicht von Geld, träume von Gipfeln.“

Der Radsport verliert einen Champions-League-Stürmer, der nie die Champions League gewann. Aber er gewann die Herzen. Und das reicht, um für immer im Gedächtnis zu bleiben.