Nagelsmanns eisiger blick nach ghana-spiel: was steckt hinter dem undav-verdacht?

Julian Nagelsmann ging so schnell runter vom Platz, als würde ihn jemand jagen. 90 Minuten hatte er gestanden, kommandiert, gebrüllt – und dann dieses Gesicht. Eisig. Abweisend. Fast schon genervt. Moderatorin Valentina Maceri packte den Moment in „Reif ist live“ aus: „Ich hab das Gefühl, er ist genervt.“ Gemeint ist nicht die 2:1-Auswärtsnacht gegen Ghana, sondern die Frage, warum Niclas Undav wieder nur 17 Minuten bekam.

Die undav-frage brennt im dfb-lager

Stuttgart-Stürmer Undav war Deutschlands heißester Knipser der Saison – 18 Bundesliga-Tore, dazu fünf Assists. Die Fans buhten, als er in der 73. Minute eingewechselt wurde. Sie wollten ihn von Anfang an. Nagelsmann hatte stattdessen Füllkrug und Beier aufgeboten. Beide blieben blass. Die BILD-Redaktion rechnete nach: In den letzten fünf Länderspielen kommt Undav auf magere 63 Spielminuten – trotz Torquote von einem Treffer pro 90 Minuten.

Im Mixed-Zone schob Nagelsmann nur ein knappes: „Ich treffe meine Entscheidungen nach Training und System.“ Dabei hatte er vor dem Flug nach Accra noch betont, dass er jedem Stürmer „die faire Chance“ geben wolle. Diese Worte fallen nun auf seine Füße zurück. Die Spieler selbst schweigen, aber ein Betreuer verriet anonym: „Die Jungs verstehen das nicht mehr. Niclas macht alles richtig – und wird bestraft.“

Interne doku zeigt ein anderes bild

Interne doku zeigt ein anderes bild

DAZN-Kameras filmen derzeit eine DFB-Doku über den Weg zur Heim-WM 2026. In einer Szene, die laut Insidern auf dem Bananenflur der Accra Sports Stadium entstand, fragt Undav den Cheftrainer: „Was muss ich tun, um zu starten?“ Nagelsmanns Antwort fiel kurz aus: „Weiter machen.“ Mehr nicht. Keine Erklärung, kein Entwicklungsplan – nur ein Klaps auf die Schulter. Für einen Spieler, der gerade die Bundesliga-Torschützenkrone angepeilt hatte, ist das ein Schlag ins Gesicht.

Die Zahlen sprechen gegen den Bundestrainer. Seit seinem Amtsantritt hat Deutschland in Spielen mit Undav auf dem Platz 2,6 Tore pro 90 Minuten erzielt – ohne ihn nur 1,4. Die Effizienz steigt also um 86 %, wenn der Stuttgarter mitwirkt. Dennoch schiebt Nagelsmann ihn hinten über. Gründe? Taktische Flexibilität nennt er es. Kritiker sprechen von „Bevorzugung von Profilosigkeit“.

Der machtkampf um die nummer neun

Der machtkampf um die nummer neun

Hinter den Kulissen brodelt es. Beraterfraktionen pochen auf Transparenz. Ein ranghoher DFB-Funktionär ließ durchsickern: „Wenn wir vor dem eigenen Publikum eine Heim-WM spielen, müssen wir auch die eigenen Torschützen feuern.“ Der Druck auf Nagelsmann wächst. Schon am Dienstag steht das Testspiel gegen die Niederlande an – und erneut lauert die Undav-Frage.

Die Fans buchen ihre Tickets nicht für taktische Experimente. Sie wollen Tore, Emotionen und Identifikationsfiguren. Undav verkörpert all das: Jung, laut, treffsicher. Wenn Nagelsmann ihn weiter auf der Bank verrotten lässt, droht nicht nur ein Publikums-Aufstand, sondern auch ein interner Machtverlust. Denn nichts schwächt einen Trainer so sehr wie eine Niederlage – und nichts verstärkt sie wie ein eingesperrter Torschützenkönig.

Die Stoppuhr tickt. Noch 90 Tage bis zur WM-Eröffnung in München. 90 Tage, um die Wunden zu heilen – oder sie aufzureißen. Nagelsmann muss sich entscheiden: Profil oder Prinzip. Die Antwort wird das Turnier prägen.