Nagelsmann zittert vor kader-deadline: 2:1 gegen ghana reicht nicht

Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt ihren letzten Test vor der WM-Nominierung mit 2:1 gegen Ghana – und trotzdem herrscht Unmut. Julian Nagelsmann muss sich fragen lassen, warum Deutschlands formstärkster Stürmer auf der Bank sitzt.

Stuttgart. 88 Minuten lang schwitzte die DFB-Elf. Dann rettet Deniz Undav, was zu retten ist. Der VfB-Torjäger, 23 Mal in dieser Saison erfolgreich, schiebt den Ball in der 88. Minute mit der Fußspitze ins Netz. Die Arena tobt. Doch die Erleichtertung trügt.

Die sturm-frage bleibt offen

Denn bis dahin hatte sich Deutschlands Angriff wie ein Student ohne Semesterticket angefühlt: viel guter Wille, aber kein Durchkommen. Kai Havertz traf zwar per Elfmeter zur Führung, doch die ließ Fatawu nach 70 Minuten platzen. Das 1:1 war ein Schock. Nicht wegen des Gegners – Ghana hatte am Freitag noch 1:5 gegen Österreich verloren –, sondern wegen der eigenen Schwächen.

Nagelsmann hatte Undav zuvor mit dem ARD-Mikro erklärt, warum er nicht von Anfang an spielt: „Dennis hat eine außergewöhnliche Kreativität, wenn der Gegner müde ist.“ Die Fans schenkten ihm dafür Spätsommer-Applaus. Ab der 28. Minute schallte es durchs Stadion: „Undav! Undav!“ Die Botschaft war klar: Der Bundesliga-Topskorer sollte endlich kommen.

Er kam. Undav lachte, klatschte, stand auf. Und in der 88. Minute stand er dort, wo Stürmer stehen müssen: am zweiten Pfosten. Sané legte quer, Undav hob ihn rein. 2:1. Endlich.

Havertz und woltemade verpassen die vorentscheidung

Havertz und woltemade verpassen die vorentscheidung

Davor hatte Kai Havertz per Strafstoß getroffen – einen Foulelfmeter, den Schiedsrichter Stuart Attwell erst nach Videobeweis pfeiffte. Ironie der Geschichte: Attwell war 2024 beim EM-Aus gegen Spanien als VAR im Einsatz und hatte ein Handspiel von Marc Cucurella nicht gesehen. Diesmal griff er ein. Deutschland führte.

Doch die Vorentscheidung blieb aus. Niclas Woltemade vergab in der 4. Minute frei vor dem Tor, sein Schuss streifte den Pfosten. Auch per Kopf knallte er noch die Latte. Bastian Schweinsteiger urteilte trocken: „Den muss er machen.“

Hinten blieb Nathaniel Brown als einziger Gewinner. Das Debüt des Frankfurters links in der Verteidigung war souverän, ein Eins-gegen-Eins-Sieg gegen Ghanas Adu in der 32. Minute sein persönlicher Höhepunkt. David Raum wird sich warm anziehen müssen.

Am 12. Mai fällt Nagelsmanns Entscheidung. Undav hat sich mit seinem späten Treffer ins Gespräch gebracht. Doch ein einziger lucky punch reicht nicht, um eine WM-Startelf zu sichern. Die Fans jubelten gestern. Der Bundestrainer wird noch rechnen.