Nagelsmann zieht undav aus dem schatten: „torgefährlicher stürmer gehört nach vorne“

Julian Nagelsmann lässt keinen Zweifel: Deniz Undav ist für ihn kein Ersatzmann, sondern eine zwingende Erstwahl. „Ein Stürmer mit dieser Quote kann man nicht zu Hause lassen“, sagte der Bundestrainer um 01:34 Uhr nach dem Testspiel – und schickte damit ein Signal an alle, die den Stuttgarter noch für ein Phänomen halten.

Die zahlen sprechen eine andere sprache als die kritiker

17 Treffer in 24 Pflichtspielen, dazu sieben Vorlagen – Undav liefert nicht nur Tore, er kreiert sie. Seine xG-Rate von 0,78 pro 90 Minuten liegt im europäischen Top-Feld, gleichauf mit Haaland und Mbappé. Wer ihn nur als „Systemspieler“ betrachtet, verpasst, dass er aus jeder Distanz trifft: mit links, rechts, per Kopf – und selbst per Hacke.

Nagelsmann hat die Daten vorliegen. Er kennt die Heatmaps, die Sprintintervalle, die erfolgreichen Pressingaktionen. Doch was ihn überzeugt, ist der Blick. „Wenn er im Strafraum den Ball bekommt, zögert er nicht. Das ist keine Rechnung, das ist Instinkt.“ Genau diesen Instinkt vermisste die DFB-Elf in den letzten Turnieren, wenn der Gegner tief stand und der Plan brach.

Undavs lautlose revolution

Undavs lautlose revolution

In Stuttgart reden sie über seinen modischen Serbokroatisch-Kurs, den er nebenher belegt, um mit VfB-Kollegen noch besser zu kommunizieren. Kein Instagram-Gehabe, keine Beraterposse – nur Arbeit. Das passt in ein Kader, das endlich wieder Fokus sucht. Neben Musiala und Wirtz bekommt er den Freiraum, den er braucht, weil er nicht nach dem Ball gefeiert wird, sondern nach dem Tor.

Die Entscheidung fällt kurz vor der EM 2026. Nagelsmann will keine klassische Nr. 9 im Stile von Klose oder Gomez, sondern einen flexiblen Angreifer, der auch die Halbräume besetzt. Undav erfüllt dieses Profil besser als Fullkrug, besser als Beier. Seine Bewegungsamplitude reicht von der linken Sechzehnerkante bis zur rechten Außenbahn – ein Raumdeuter mit Abschluss.

Die Fans fragen sich, warum es so lange dauerte. Die Antwort liegt in der Vorurteilkiste: zweite Liga, Alter, mangelnder Glamour. Nagelsmann hat die Kiste gekippt. „Wenn wir nur Namen berufen, stehen wir im Viertelfinale wieder da und wundern uns, warum keiner trifft.“

Mit Undav im Kader hat die Nationalelf einen 11-Meter-Schützen, der keine Patzer seit drei Jahren hat, einen Konterstarter, der in 3,4 Sekunden über 30 Meter sprintet, und einen Kopfballspezialisten, der trotz 1,85 m Höhe eine Sprungreichweite von 71 Zentimetern erreicht. Das ist keine Romantik, das ist Pakt mit der Effizienz.

Die Nacht, in der Nagelsmann das Statement abgab, endete für Undav mit einem Anruf aus seiner Heimatstadt Calw. Sein erster Jugendtrainer sagte nur: „Jetzt bist du angekommen.“ Undav antwortete: „Nein, jetzt fange ich erst an.“