Dzeko entkommt dem bann – s04 darf beim spitzenspiel wieder träumen

Edin Dzeko darf am Samstag mit nach Darmstadt fahren. Das Sportgericht des DFB kürzte die Sperre für den Schalker Torjäger von zwei auf ein Spiel – ein Segen für die Aufstiegsträume der Königsblauen, ein Schlag ins Kontor für alle, rot-weiße Gerechtigkeit schreien wollten.

Warum der richter plötzlich von einem „sonderfall“ spricht

Stephan Oberholz, Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, ließ sich beim Zurückrudern nicht einmal Zeit für einen Atemzug. Nach 38 Minuten mündlicher Verhandlung stand fest: Dzekos Tritt gegen Husseyn Chakroun war „unbeholfen, nicht rücksichtslos“. Kein rohes Spiel, keine hohe Intensität, bloß Pech. Die Begründung klingt, als hätte jemand die Videobilder in Zeitlupe mit dem Knie zerschnitten und die Schärfe rausgenommen. Fakt ist: Der Treffer bleibt rot, die Folgen halbieren sich.

Die 20 000 Euro Strafe dagegen bleibt komplett. Ein Preis dafür, dass Schalke in der 52. Minute gegen Hannover eine Führung verspielte und Dzeko anschließend mit der Sohle auf dem Boden landete, statt den Gegner zu umgehen. Für den Klub eine lächerliche Summe, für Dzeko eine halbe Woche Gehalt – für die Zweitliga-Kasse ein netter Nebenverdienst.

Muslics wut und die folgen für die tabelle

Muslics wut und die folgen für die tabelle

Trainer Miron Muslic hatte Schiedsrichter Robin Braun noch auf dem Rasen mit dem Vorwurf des „fehlenden Fingerspitzengefühls“ konfrontiert. Nun darf er seinen Angreifer zumindest in Darmstadt aufstellen. Ohne Dzeko schmolz Schalkes Vorsprung am Sonntag von drei auf einen Punkt. Mit ihm könnte die Tabellenführung am Samstag wieder zu einer kleinen Festung werden. Die Konkurrenz aus Hamburg und Karlsruhe schielt bereits auf Patzer, die es so vielleicht gar nicht gibt.

Dzeko selbst feierte am Dienstag seinen 40. Geburtstag, pünktlich zu dem Tag, an dem die DFB-Kanone zwei Spiele Bann drohte. Nun darf er mit 40 Jahren und einem Tag wieder jagen. Die Ironie: Wer die Rote Karte provozierte, Chakroun, laboriert an einer Prellung – und wird wohl ebenfalls fehlen. Manchmal gleicht die Justiz im Fußball eher einem Glücksrad als einem Maßstab.

Am Samstag um 20.30 Uhr rollt der Ball in Darmstadt. Schalke kann mit dem besten Torjäger der Liga antreten, die Sperre ist Geschichte, die Meisterschaft noch greifbar. Für Dzeko bleibt nur eine Frage: Trifft er direkt wieder, oder lässt er diesmal die Sohle stehen?