Nagelsmann verzichtet auf musiala – der zauberfuß bleibt in münchen

Kein Jamal Musiala im DFB-Trikot, kein erster Auftritt im WM-Jahr. Bundestrainer Julian Nagelsmann lässt seinen kreativen Hoffnungsträger zu Hause, weil dessen linker Knöchel noch nicht bereit ist für die harte Tour auf dem weitesten Rasen der Welt.

Die Entscheidung fiel nach dem 4:1 von Bayern gegen Atalanta, als Max Eberl die Nachricht in die Nacht schickte: „Er ist verletzt, ich denke, er wird nicht zur Nationalmannschaft reisen.“ Kaum ein Satz, doch er spült jede Menge Fragen ans Tageslicht. Musiala hatte nach dem 6:1-Hinspiel über Probleme am Sprunggelenk geklagt, eine Woche Reha folgte. Für die Partien in der Schweiz und gegen Ghana reicht das nicht.

Bayern und dfb verfolgen gemeinsamen pfad

Bayern und dfb verfolgen gemeinsamen pfad

Die Absprache zwischen Klub und Verband funktioniert wie eine stillschweigende Allianz. Bayern will seinen Taktgeber langfristig fit, Nagelsmann verzichtet kurzfristig. Es ist dieselbe Logik, die schon in der vergangenen Saison galt, als Musiala wegen eines Muskelbündelrisses und der schweren Verletzung bei der Klub-WM acht Länderspiele verpasste. Sein letztes Länderspiel datiert auf das Nations-League-Viertelfinale gegen Italien vor einem Jahr.

Die Zahlen sind vernichtend: In diesem Jahr stand Musiala gerade einmal 45 Minuten für die deutsche Elf auf dem Platz. Die restliche Zeit verbrachte er zwischen Reha, Aufbautraining und vorsichtigem Stakkato. Für einen Spieler, dessen Balance zwischen Tempo und Ballannahme selbst erfahrene Gegner ins Wanken bringt, ist jedes zusätzliche Risiko ein Schritt zurück.

Nagelsmann gibt sein Aufgebot am Donnerstag in Frankfurt bekannt. Ohne Musiala, aber mit dem Wissen, dass der 21-Jährige im Sommer zur WM nach Nordamerika reisen muss, wenn der Plan aufgehen soll. Die Vorbereitung beginnt stillschweigend in München, nicht im Trainingscamp in Marbella oder auf der Zürcher Hardturm-Anlage. Dort, wo der Rasen noch winterlich stumpf ist, wird Musiala stattdessen individuelle Einheiten absolvieren.

Die Botschaft ist klar: Lieber ein Musiala in Topform im Juni als ein halbfitser Star im März. Die Niederlage gegen Italien in der Nations League war eine Lektion, die sich Nagelsmann gemerkt hat. Er will keine Experimente, keine 70-Prozent-Lösungen. Der Weg zur Weltmeisterschaft startet mit einem bewussten Verzicht.