Nagelsmann verliert pavlović kurz vor wm-prüfung – stiller rückt nach
Die Nachricht traf den Bundestrainer am späten Sonntagabend wie ein Foule an der Achillessehne: Aleksandar Pavlović fällt für die letzten Tests vor der WM-Nominierung aus. Kein Training in Herzogenaurach, kein Duell mit der Schweiz, kein Prestigespiel gegen Ghana – und vielleicht keine Startelf in Katar. Der 21-Jährige melet sich mit „Beschwerden“ ab, wie der Klub vorsichtig formuliert. Schon am Samstag hatte Christoph Freund gewarnt, man wolle den Mittelfeld-Motor „nicht etwas Langfristiges“ einhandeln. Nun folgt die logische Konsequenz.

Stiller räumt sich selbst ein – und landet doch im dfb-tross
Vor einer Woche noch hatte Julian Nagelsmann erklärt, warum Angelo Stiller trotz starker Stuttgart-Saison außen vor bleibt: „Ich sehe ihn nicht in der ersten Elf.“ Das war keine Abwertung, sondern ein Kalkül. Nun rächt sich genau diese Hierarchie. Weil Pavlović zusätzliche medizinische Tests absolvieren muss, rückt der 24-Jährige nach – als Notnagel, aber mit Berechtigung. Sein Passgehalt liegt bei 87 Prozent, seine Balleroberungen pro 90 Minuten führen die Liga-Tabelle an. Kurz: Er ist kein Ersatz, sondern ein Upgrade in Sachen Ballsicherheit.
Die Ablösefrage bleibt dennoch offen. Pavlović galt als gesetzt neben Leon Goretzka, der offensiver gestaltet. Nun entsteht ein Vakuum, das Felix Nmecha nutzen könnte. Das Duell um den defensiven Sechser ist wieder offen – mit nur zwei Länderspielen, um den letzten Eindruck zu hinterlassen. Die Uhr tickt. Die WM ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern ein Datum: 20. Juni, Eröffnungsspiel in München.
Für den Rekordmeister ist der Ausfall doppelt bitter. Nach Vincent Kompany verliert auch Nagelsmann einen Leistungsträger, der in der Rückrunde die Balance zwischen Pressing und Positionspiel neu definiert hatte. Die Bayern-Verantwortlichen drängen auf Transparenz: Was genau steckt hinter den Beschwerden? Ist es eine Schulter- oder eine Hüftproblematik? Klub und Verband schweigen, um keine Spekulationen zu nährten. Doch die Stille wird lauter, je näher das Turnier rückt.
Am Freitag in Basel wird die DFB-Elf erstmals ohne Pavlović antreten. Die Frage ist nicht mehr, ob Stiller spielt, sondern wie lange. Eine halbe Stunde? Von Anfang an? Die Antwort liefert Nagelsmann spätestens am Montag, wenn er seine Startelf benennt. Bis dahin zählt jedes Protokoll, jede Laufmeter-Statistik, jede Trainingsintensität. Die WM-Kaderliste hat nur 26 Plätze, aber unendliche Variablen. Pavlović’ Ausfall ist eine davon – und vielleicht die teuerste.
