Nagelsmann verlässt sich auf sané – trotz flop in basel

Basel – ein Aufgalopp, kein Auftritt. Leroy Sané taumelt durch 72 Minuten, verreißt Standards, verliert Zweikämpfe, trifft die Auswechselbank mit dem Blick. Die Schweiz führt zur Pause 2:2, das Stadion summt, weil jeder sieht: Die linke deutsche Seite funktioniert nur, wenn Sané dribbelt – und genau das tut er zu selten.

4:3 steht’s am Ende, ein Ergebnis, das die Statistik schönt und die Augenzeugen belügt. Denn der Schein trügt: Julian Nagelsmann redet sich warm, während Sané die Katakomben entlangschlurft, ohne die Mixed-Zone anzuschauen. „Ich erwarte nicht zwei Tore und drei Vorlagen, es geht um das Gesamtbild“, sagt der Bundestrainer und wischt damit jede Kritik vom Tisch. Ein Satz, der sich wie ein Vertragsversprechen anhört.

Warum nagelsmann jetzt nicht kalt kalkuliert

Warum nagelsmann jetzt nicht kalt kalkuliert

Die Logik lautet: Sané war in der Quali gegen die Slowakei noch Lichtgestalt, also darf er gegen Ghana in Stuttgart wieder ran. Die Realität: Seit November hat er 90 Minuten für Galatasaray in der Süper Lig gespielt – und selbst dort stand er in den Knock-out-Spielen der Conference League nur auf der Rolle. Rhythmus? Fehlanzeige. Trotzdem setzt Nagelsmann auf den 30-Jährigen, weil er „aufblitzen ließ, was er kann“. Ein Fünkchen Klasse reicht offenbar, um eine Startelfplatz-Wette zu gewinnen.

Der Plan: Sané soll am Montag (20.45 Uhr) gegen Ghana die Kurve kriegen, die Defensivreihe der Black Stars wirkt wie ein Trainingspuppen-Modell – schnell, aber planbar. Nagelsmann will keine Systemfrage, er will eine Signalwirkung: Wer einmal DFB-Kader ist, bekommt mehr als zwei Spiele Zeit. Das klingt nach Kontinuität, kann aber genauso nach mangelnder Alternative klingen.

Die Causa Sané offenbart ein Dilemma: Deutschland hat auf der Außenbahn Tiefe, aber keine Durchschlagskraft. Musiala zentralisiert, Wirtz operiert halbrechts, Adeyemi und Becker fehlen verletzt. Wenn Sané fällt, bleibt nur noch Leroy – ein Selbstläufer, der sich selbst im Weg steht. Die Frage ist nicht, ob er besser wird, sondern: Wie lange darf er schlecht sein, bis das Gesamtbild zerfällt?

Fakt ist: Gegen die Schweiz hat Sané 14 Ballverluste, keine Flanke gefunden und seine Gegenspieler 9-mal durchgelassen. Die Zahlen sind laut, das Urteil trotzdem mild. Nagelsmann klagt den „fehlenden Rhythmus“ an, nicht die fehlende Einstellung. Ein Unterschied, der in der Kader-Politik goldwert ist. Denn wer Mangel als Makel erklärt, kann ihn auch verzeihen.

Am Montag wird Sané wieder laufen – und mit ihm die Uhr. Kein Tor, keine Vorlage, und die Diskussion entlädt sich erneut. Dann wird Nagelsmann nicht mehr von Gesamtbildern reden, sondern von Tatsachen. Denn eines lehrt die WM-Geschichte: Auf Sieg oder Niederlage gibt es kein Gesamtbild, nur ein Ergebnis. Und das erträgt kein Blitzlicht.