Nagelsmann nominiert sané trotz gala-bank – hamann rüttelt wach
Julian Nagelsmann schlägt mit seinem ersten Kader des WM-Jahres einen Kreuz: Leroy Sané fliegt trotz Gala-Ersatzbank nach Frankfurt. Der 30-Jährige saß in den letzten Wochen bei Galatasaray mehr draußen als drin, kassierte Anfang März glatt Rot gegen Besiktas und fehlte zwei Spiele. Trotzdem steht er am 27. März gegen die Schweiz und drei Tage später gegen Ghana in der Startelf – zumindest im Aufgebot.
Hamann spürt die logik nicht
„Die Nominierungen von Groß und Sané haben mich überrascht“, sagt Dietmar Hamann bei Sky. Sanés Fähigkeiten seien unbestritten, aber: „Er hat zuletzt in Istanbul nicht mehr von Beginn an gespielt.“ Besonders bitter: In den Achtelfinal-Hinspielen der Champions League gegen Liverpool saß Sané drei von vier Halbzeiten auf der Bank. Die Gala-Defensive wirkte ohne ihn stabiler, die Offensive ideenloser. Ein Dilemma für Nagelsmann, der auf Schnelligheit und Dribbling setzt – genau Sanés Markenzeichen.
Pascal Groß ist die andere Überraschung. Der 34-Jährige war beim BVB nur noch Statist, wechselte für 2 Millionen Euro nach Brighton und schlägt dort sofort ein. Kapitänsbinde statt Bundesbank – das reicht, um Nagelsmann umzustimmen. „Es geht darum, gute Spieler zu haben und alle Positionen doppelt zu besetzen“, rechtfertigt Hamann die Auswahl. „Wir hatten wahrscheinlich schon schlechtere Kader.“

Der kader im überblick
Tor: Oliver Baumann, Alexander Nübel, Jonas Urbig – ein Trio, das Erfahrung und Frische vereint. Baumann ist der alte Hase, Nübel der Bayern-Leihgabe, Urbig der 21-jährige Aufsteiger vom FC Bayern. In der Defensive mischt Nagelsmann kräftig um: Waldemar Anton und Jonathan Tah bringen Ballkontrolle, Antonio Rüdiger und Nico Schlotterben bringen Härte. Pavlovic und Kimmich bilden das Herzstück, daneben stehen mit David Raum und Josha Vagnoman zwei Außenbahn-Allrounder bereit.
Offensiv ist die Lage klar: Florian Wirtz ist der neue Dirigent, Serge Gnabry und Leroy Sané die Flügelflitzer. Kai Havertz liefert die Kopfballstärke, Deniz Undav die Coolness vor dem Tor. Kevin Schade und Jamie Leweling stehen für die Zukunft, Leon Goretzka für die Robustheit. Ein Kader, der zwischen Gegenwart und Zukunft pendelt – und genau das ist Nagelsmanns Plan. Er will nicht nur gewinnen, sondern auch testen. Die WM ist in 18 Monaten, der Weg beginnt jetzt.
Sané wird sich beweisen müssen. Nicht nur gegen die Schweiz, sondern auch gegen Ghana. Und vielleicht ist genau diese Druck-Situation das, was ihn wieder aufblühen lässt. Hamann bleibt skeptisch: „Wenn du Zusammenhalt schaffst, können wunderbare Dinge passieren.“ Aber nur, wenn alle von Anfang an dabei sind – und nicht auf der Bank sitzen.
