Nach elfmeter-krimi: celtic siegt – rangers-fans stürmen platz
Ein Schritt nach vorn
, ein Schritt zurück, dann der Blick zum Schiedsrichter – und Tomas Cvancara jagt den Ball ins Netz. Mit diesem Elfmeter schießt Celtic Glasgow im Viertelfinale des schottischen FA-Cups den Erzrivalen Rangers aus dem Pokal. Sekunden später fliegt der Rasen davon.Erst jubeln die „Bhoys“, dann toben die „Gers“. Hunderte Celtic-Anhänger überrennen den Platz, schwenken Schals, klatschen Trommeln. Auf der Gegenseite sprintet eine vermummte Horde Rangers-Ultras los – nicht zum Feiern, sondern zum Kampf. Bengalos zischen durch die Luft, Leuchtraketen knallen, das erste „Old Firm“ mit vollem Auswärtskontingent seit zehn Jahren kippt in pure Eskalation.
Die sicherheitskette bricht – die polizei rückt mit pferden und helmen an
Ordner formieren eine Menschenkette vor dem Gästeblock, doch die reißt binnen Sekunden. Wurfgeschosse fliegen kreuz und quer, ein Fan trägt eine blutende Schürfwunde davon. Die schottische Polizei aktiviert Plan B: Reiterstaffeln galoppieren auf den Rasen, Hundestaffeln umstellen die Fanlaufstege. Erst nach zehn Minuten ist das Feld geräumt, die Spieler längst in der Kabine.
Die Bilder gehen um die Welt – und sie schmerzen. Denn genau das wollte die Scottish FA verhindern, als sie nach den Krawallen der Vorsaison die Auswärtskegel drastisch drosselte. Heute durften wieder 7.000 Celtic-Fans ins Ibrox Stadium, ein Zeichen des guten Willens. Das Vertrauen ist jetzt zerbrochen.

Cvancara wird zum held – dann zum zielscheibe
Borussia-Mönchengladbach-Leihgabe Cvancara wusste vor dem Elfmeter nur: „Wenn ich verwandele, explodiert die Nordtribüne.“ Er traf, die Menge explodierte – und riss ihn mit. Im Tumult stolpert der Stürmer, wird von zwei Ordnern hochgezogen, verschwindet unter Schottenmützen und Rauchfahnen. „Ich hab nur noch Kopf und Schultern gesehen, der Rest war grün-weiß“, sagt Celtic-Coach Brendan Rodgers später. „Fußball kann so schön sein. Und so gefährlich.“
Für die Rangers ist die Niederlage ein doppelter Schlag: Pokal-Aus plus Imageschaden. Die Klubführung kündigt sofort harte Strafen an: lebenslange Stadionverbote, Polizeiübergabe der Videomaterialien, Schadenersatzforderungen. Celtic reagiert mit Schweigen – bis auf eine knappe Pressemeldung: „Wir bedauern die Vorfälle und werden die Szenen analysieren.“
Die Saison ist noch lang, die Rückrunde der Liga steht an. Am 2. April treffen die beiden Klubs erneut aufeinander – dann in Celtic Park. Die Tickets sind bereits ausverkauft. Die Frage ist nicht, wer gewinnt. Die Frage ist, wie viele Auswärtige überhaupt noch eingelassen werden. Die Antwort liegt auf dem verwüsteten Rasen von Ibrox: Null.
