Fichtner-panne reißt biathlon-legenden-faden auf – bö, fourcade & co. kennen das
Marlene Fichtners zweiter Blackout in diesem Winter hat die Staffel der deutschen Frauen auf Platz 16 verfrachtet – historische Tiefstmarke. Doch die 22-Jährige ist in prominenter Gesellschaft: Schon Olympia-Helden haben sich beim Schießen selbst unten durchgemalt.
Neuner schoss 2012 ihre konkurrentin leer
Magdalena Neuner stand 2012 in Nove Mesto als Erste in der Range, zielte – und traf fünfmal die Scheibe von Irina Starych. Vier Strafrunden. Konsequenz: Platz sieben statt Podest. Die Bayern-Sprint-Königin lachte hinterher, die Konkurrenten atmeten auf.

Bö feuerte nur vier schuss ab – und verlor 43 punkte
Johannes Thingnes Bö schickte sich 2019 in Oberhof an, die Jagd auf den Sieg anzuführen, vergaß aber den fünften Schuss. Weil die Jury den Fehler übersah, durfte er erst nach dem Rennen seine Strafe selbst aussprechen. 43 Weltcup-Punkte und 7 500 Euro Preisgeld flogen ihm um die Ohren. Der Norweger nahm es mit Galgenhumor: „Fair-Play kostet, zahlt sich aber aus.“

Fourcade schmiss munition – und durfte gewinnen
2017 vergaß Martin Fourcade sein Magazin komplett. Trainer Frederic Jean ließ die Patronen durch die Luft segeln, Fourcade lud nach, traf alles, triumphierte im Massenstart von Oslo. Die Jury stellte fest: kein Vorteil, kein Verlust. Französische Effizienz eben.

Fillon maillet frohr die finger – und die medaille weg
Quentin Fillon Maillet hatte im Januar 2026 in Nove Mesto zwar Patronen dabei, aber zu wenige. Einzeln nachladen bei minus zwölf Grad kostete 40 Sekunden. Rang 34, WM-Titel weg. „Nächstes Mal packe ich einfach zwei Magazine mehr ein“, sagte er trocken.

Björndalen lief sich selbst in die irre
2009 irrte Ole Einar Björndalen nach 300 Metern vom Kurs ab, zog versehentlich zehn Konkurrenten mit. Die Jury verpasste eine Strafminute – genug, um trotz Umweg Weltmeister zu bleiben. Der König von Peer Gynt lächelt bis heute über diesen Schlenker.
Die Lehre: Im Biathlon ist keiner sicher, nicht einmal, wenn seine Visitenkarte Olympiasieger, Weltmeister oder Legende trägt. Fichtner kann also aufatmen – ihre Panne ist nur die neueste Episode einer Serie, die die Sportart menschlich macht. Und sie hat noch mindestens zwei Olympia-Zyklen Zeit, irgendwann selbst in die „Geschichte der Pannen“ einzusteigen – diesmal als Held statt als Warnung.
