Nach 32 jahren: italiens basketball-damen zurück bei der wm – capobianco packt aus
32 Jahre hat es gedauert. 32 Jahre, in denen die italienische Damen-Nationalmannschaft nur zuschauen durfte. Jetzt steht sie wieder auf der Weltbühne – und Andrea Capobianco, der Mann, der dieses Märchen geschrieben hat, spricht Tacheles.
„Der Geruch dieses Trikots ist anders. Es riecht nach Regen, nach nasser Asche, nach Autoscheinwerfern auf verlassenen Platten in Molise.“ Capobianco ballt die Faust, als würde er noch einmal den Ball aus der Dunkelzeit holen. „Wir hatten kein Hallendach, keine Flutlichtanlage. Wenn es dunkel wurde, haben wir einfach die Scheinwerfer der Autos angeknipst. Das war unser Spot. Das war der Grundstein.“
Die nacht von riga, die nie verblasst
2017. Viertelfinale gegen Lettland. Ein Punkt. Ein unsportlicher Foul-Pfiff. Aus. Kein Halbfinale, keine WM-Quali. Die Älteren erzählen es noch heute den Jüngeren, als wäre es gestern gewesen. „Wir haben diesen Schmerz nicht vergraben, wir haben ihn einbrennen lassen“, sagt Capobianco. „Er ist der Klebstoff, der diese Truppe zusammenhält.“
Das Ergebnis: 85:35 gegen Senegal im Vorbereitungsturnier. Kein einziger Trainingstag mit komplettem Kader. Trotzdem laufen die Azzurre wie ein Schweizer Uhrwerk. „Sie lächeln nicht, weil sie leicht nehmen, was sie tun. Sie lächeln, weil sie sich gegenseitig respektieren. Der Pass ist kein Pass. Er ist ein Handschlag über 15 Meter.“

Zandalasini leuchtet, sie blendet nicht
Er spricht nicht gern über Einzelne, aber bei Giorgia Zandalasini platzt es heraus. „Sie macht schwere Dinge leicht. Und sie macht andere besser, ohne dass sie es merken.“ 2017, 22 Jahre jung, direkt im All-Star-Five der EM. „Ihre Stärke ist unsichtbar. Sie leuchtet, sie blendet nicht. Das ist ein Unterschied, den man nicht trainieren kann.“
Daneben schlägt Lorela Cubaj Wellen aus der WNBA, und das Schio-Venedig-Duell der Serie A war ein Vorgeschmack auf Berlin. „Wenn diese Mädchen in eure Provinzturniere kommen, klatscht. Sie haben das Trikot geehrt, als wäre es Seide.“

Vom hausarzt zum seelenzauberer
Capobianco brach sein Medizinstudium ab, weil ihm die Diagnosen zu klein wurden. „Ich wollte keine Knochen schrauben, ich wollte Köpfe öffnen.“ Heute zitiert er seinen verstorbenen Bruder Gianni: „Hinter jeder Statistik steht ein Mensch.“ Die EM-Bronze 2023 widmete er ihm. „Vielleicht habe ich ihm zu selten danke gesagt. Jetzt sage ich es laut, vor allen. Ohne ihn wäre ich ein guter Doktor. Mit ihm bin ich ein glücklicher Trainer.“
Und mit ihm fährt Italien im September nach Berlin – nicht als Statist, sondern als Geheimfavorit. „Wir starten nicht vom Ergebnis, sondern von der Spielweise. Der Rest ist Nebensache.“
32 Jahre Warten, und jetzt? „Jetzt kommt der schwierige Teil“, sagt Capobianco und grinst. „Wir müssen lernen, mit dem Rückenwind umzugehen, ohne dass er uns umbläst. Aber eins steht fest: Wer uns jetzt noch unterschätzt, hat die letzten beiden Spiele nicht gesehen.“
