Nach 2 monaten: caf erklärt marokko zum afrika-cup-sieger – senegal tobt

Es ist der Schachzug, der eine ganze Fußballnation aus dem Tiefschlaf riss: Das Berufungsgericht des Afrikanischen Fußballverbandes CAF kippt das Finale vom 11. Januar und spricht Marokko den Titel zu – zwei Monate, nachdem der Senegal in Rabat die Trophäe in die Höhe gestemmt hatte. Die Begründung: Der Senegal habe das Spiel kurzzeitig verlassen, um gegen eine Strafstoß-Entscheidung zu protestieren. Folge: 3:0 für Marokko per Urteil.

Die bombe trifft dakar mitten ins herz

Die Nachricht schlug ein wie ein Gewitter über der Casamance. Schon am späten Dienstagabend explodierte die Empörung in den sozialen Netzwerken, und am Mittwoch standen die Zeitungskioske Kopf. Le Soleil brandmarkte die Entscheidung auf der Titelseite als „Witz des Jahrhunderts“, Walf Quotidien diagnostizierte ein „Erdbeben“ und eine „Farce“. Die Redaktion von L'Observateur schrieb gar von einem „Tag der Schande“ für den afrikanischen Fußball.

Die Spieler ließen nicht lange auf sich warten. Pathé Ciss, Mittelfeldanker des FC Toulouse, sparte nicht mit Ironie: „Gebt den Heulsusen ruhig noch drei Tore dazu.“ Ihm schloss sich Linksverteidiger El Hadji Malick Diouf an: „Diese Trophäe holt man sich auf dem Rasen, nicht per E-Mail.“ Idrissa Gueye, 36 Länderspiele, schüttelte nur den Kopf: „Wir wissen, was in Rabat passiert ist – das kann uns keiner nehmen.“

Marokkos medien feiern „gestohlene“ trophäe zurück

Marokkos medien feiern „gestohlene“ trophäe zurück

Während Dakar demonstriert, strahlt Rabat. Die Online-Plattform Le 360 meldet Jubelszenen in Casablanca, trotz strömenden Regens. Al Massae spricht von „zurückgeholter Gerechtigkeit“. Für die Marokkaner ist der Schritt des CAF eine Richtigstellung nach dem vermeintlichen Raub vom Januar, als Brahim Diaz den Foulelfmeter in der 97. Minute noch über das Tor setzte und der Senegal Sekunden später den Siegtreffer erzielte.

Ob die Euphorie Bestand hat, ist offen. Der Senegalese Football Verband kündigte umgehend an, den Fall vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS zu tragen. Generalsekretär Victor Cissé wirft dem CAF „voreilige Politik“ vor und fordert ein transparentes Schiedsverfahren. Juristen sind sich einig: Die Argumente sind dünn, denn Spielunterbrechungen gab es schon öfter – bloß nie mit nachträglichem Punktestreich.

Fakt ist: Die Trophäe steht jetzt im Königspalast, die Medaillen sind umgemünzt, die Statistik korrigiert. Doch die Erinnerung der 65 000 in Rabat bleibt unberührt. Und die Frage, ob ein Titel, den man nicht auf dem Platz errang, wirklich schmeckt, wird Marokkos Stars wie Achraf Hakimi und Brahim Diaz noch eine Weile verfolgen. Die nächste Afrika-Cup-Quali beginnt im März. Da zählt wieder nur das, was über 90 Minuten passiert – nicht das, was danach im Schreibtisch verhandelt wird.