Elena semechin bricht barcelona ab – comeback droht in berliner wellen
Elena Semechin bleibt trocken – und das, wo sie schon die Badeklamotten für Barcelona gepackt hatte. Die Paralympics-Siegerin sagte gestern ihren geplanten Saisonauftakt in der Para Swimming World Series ab, weil eine fiese Nebenhöhlenentzündung ihre Atemfrequenz drosselt. Statt am Freitag in Catalunya anzugreifen, schielt die 32-Jährige nun aufs heimische Revier: Mitte Mai könnte sie im Berliner Europasportpark (SSE) vor Freunden, Familie und lautem Anfeuerpublikum ins Becken springen – genau dort, wo sie vor Jahren ihre erste Goldwelle erlebte.
Die nase macht das rennen
„Die Luft kommt noch nicht durch“, sagte Semechin knapp. Die Erkältungswelle, die zuletzt halb Deutschland lahmlegte, erwischte auch sie – und das nur wenige Tage, nachdem sie endlich wieder Vollgas-Intervalle absolvieren konnte. Ihr Sohn Klaus ist gerade ein halbes Jahr alt; die Balance zwischen Stillalltag und Laktattraining ist für sie kein Instagram-Mythos, sondern Alltag. Der Deutsche Schwimm-Verband bestätigte den Verzicht, ließ aber durchblick: Wer Semechin sehen will, sollte sich den Mai freihalten.
Denn die Wettkalender-Welle rollt direkt vor ihrer Haustür. Vom 7. bis 9. Mai tauchen die Weltserie-Athleten ins SSE, drei Tage später übernehmen die Deutschen Meisterschaften das Becken. Für Semechin zwei Startscheiben, null Reisestress – ein Luxus, den sie in ihrer Karriere selten hatte. „Ich muss nicht mehr nach Barcelona, um mich zu beweisen“, sagt sie. „Aber ich will meinem Sohn zeigen, wo Mama schwimmt.“

Deutsches trio bleibt an land
Mit Semechin bleiben auch Taliso Engel und Maike Naomi Schwarz zu Hause – beide kämpfen noch mit grippalen Reminiszenzen. Für das deutsche Kontingent heißt das: Malte Braunschweig, Jason Dilling und Florian Reiter müssen in Spanien die Fahnen hochhalten. Braunschweig gilt als heimlicher Medaillenkandidat, doch ohne die erfahrene Semechin fehlt die klare Leitfigur im Team. Trainer Sascha Kindermann versuchte, Gelassenheit zu verbreiten: „Wir schwimmen nicht nur mit der Lunge, sondern auch mit dem Kopf.“
Die Athleten, die in Barcelona starten, erhalten wertvolle Punkte für die Weltserie-Rangliste – ein Kriterium für die Paralympics 2028. Semechin riskiert einen Zählerverlust, doch sie schmunfelt nur: „Ich habe schon Gold, jetzt will ich Atem.“ Die Entzündung bremst sie nicht nur sportlich, sondern auch mental: Wer unter Wasser Atemnot spürt, verliert automatisch Rhythmus. Ihr Coach Jens Kramer arbeitet deshalb an einer speziellen Atemgymnastik, um die verengten Nebenhöhlen zu erweitern.

Berlin droht das große schwimmfest
Die Veranstalter des SSE rechnen mit bis zu 5.000 Zuschauern pro Tag, sollte Semechin tatsächlich springen. Kartenverkauf läuft bereits; am Tag des Bekanntwerdens ihres Absages sprang die Nachfrage um 38 Prozent. „Wir sehen das als Signal“, sagt SSE-Sprecherin Lena Vogel. Die Schwimm- und Sprunghalle gilt als Echo-Halle – das Publikum sitzt dicht am Beckenrand, jubelt sich die Lunge aus dem Leib. Genau diesen Schub braucht Semechin, nachdem sie die letzten Monate zwischen Kinderzimmer und Kraftzentrum pendelte.
Ihre Rückkehr wäre nicht nur sportlich relevant, sondern auch symbolträchtig: Seit der Geburt ihres Sohns spricht sie offen über die Balance zwischen Spitzensport und Mutterrolle. Sollte sie in Berlin starten, würde sie vor den Augen ihrer Community zeigen, dass beides zusammenpassen kann – ohne Filter, ohne PR-Getöse. Die Zeitung „Berliner Morgenpost“ titelte schon: „Kommt Elena, kommt das Gold – oder zumindest die Geschichte.“
Die finale Entscheidung fällt laut DSV „Anfang Mai“. Bis dahin steht Semechin jeden Morgen um 5:45 Uhr im SSE, testet, ob ihre Nase die 100-Meter-Lagen mitmacht. Sie weiß: Einmal im Wasser zählt nur der Takt der Arme. Und der ihrer Familie, die dann an der Bande steht – mit Sekt und Baby-Schnuller in Schwarz-Rot-Gold.
