Mutige gründerinnen von viktoria berlin holen berliner frauenpreis nach lichterfelde
Sechs Frauen, ein Klub, ein Preis – und eine Revolution im deutschen Frauenfußball. Die Gründerinnen des Frauenteams von Viktoria Berlin haben am Montagabend im Roten Rathaus den Berliner Frauenpreis entgegengenommen. Eine Auszeichnung, die nicht nur ein Danke ist, sondern ein Signal: Frauen können im Sport nicht nur mitspielen, sie können auch die Regeln neu schreiben.
Ein start-up statt eines traditionsklubs
Kein Aufsichtsrat voller Anzugträger, kein Männernetzwerk, keine Altherrenloge. Viktoria Berlin läuft anders. Seit 2022 ist das Frauenteam rechtlich und finanziell unabhängig – gemanagt von Ariane Hingst, Tanja Wielgoß, Felicia Mutterer, Katharina Kurz, Lisa Währer und Verena Pausder. Kein Verein in Deutschland hatte das vorher gewagt.
Die Zahlen sprechen für sich: Platz fünf in der 2. Bundesliga, ein Budget, das sich durch Sponsoren und Investorinnen trägt, und ein Kader, der sich nicht nach Sympathie, sondern nach Leistung richtet. „Wir haben keine Halbwertszeiten“, sagt Hingst, zweimalige Weltmeisterin und heute Geschäftsführerin. „Wir haben eine Mission.“

Erstmals geht der preis an sportlerinnen
Der Berliner Frauenpreis – 5.000 Euro und eine Skulptur von Esther Janshen – wurde seit 1987 fast ausschließlich an Aktivistinnen, Wissenschaftlerinnen oder Politikerinnen vergeben. Niemals zuvor ging er an Frauen, die mit dem Ball statt mit dem Mikrofon Machtstrukturen erschüttern.
Senatorin Cansel Kiziltepe (SPD) überreichte die Auszeichnung persönlich. Währer und Pausder fehlten, aber die anderen vier standen auf der Bühne – und spürten den Druck der Sichtbarkeit. „Wir sind keine Heldinnen“, sagt Kurz. „Wir sind einfach nur müde davon, zu warten, bis sich jemand anders kümmert.“
Was niemand erwähnt: Der Preis kommt nicht nur zur richtigen Zeit, sondern auch an den richtigen Ort. Berlin ist die einzige deutsche Großstadt, in der die Zahl der Mädchenmannschaften stagniert. Während anderswo neue Programme starten, fehlt es hier an Plätzen, Trainern und Vorbildern. Genau dort setzt Viktoria an.

Der nächste gegner heißt nicht bayern oder hamburg – heißt ignoranz
Die Liga ist kein Selbstläufer. Die Lizenz kostet, die Reisekosten steigen, und die TV-Rechte für Frauenfußball sind immer noch ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber Viktoria spielt nicht nur Fußball. Der Klub bietet Mentoring für Nachwuchsspielerinnen, Schulprojekte gegen Mädchen-Mobbing und ein Netzwerk für Unternehmerinnen. Sponsoren wie SAP oder Einhorn Ventures zahlen nicht nur für Tore, sondern für ein Narrativ.
Am Rande der Gala flüstert ein Vereinsvertreter der Herren-Bundesliga: „Die machen das besser als wir.“ Er lacht, aber es klingt nicht wie ein Witz.
Am Ende bleibt ein Fakt: Viktoria Berlin ist kein Underdog mehr. Es ist ein Prototyp. Und der Frauenpreis ist nicht der Höhepunkt – er ist die Eintrittskarte für die nächste Runde.
