Muskatewitz und konsorten feuern sich mit 7:6-krimi gegen norwegen auf schweiz-nacht
Mit einem Herzschlagfinale und einem Auswuchs von Marc Muskatewitz hat der Deutsche Curling-Verband (DCV) seinem Playoff-Traum neues Leben eingehaucht. Im Ogden Ice Sheet rutschte das Team um den Skip beim 7:6 gegen Norwegen in der letzten Endung auf den Sieg zu – und landete damit genau in dem Soll, das sich Bundestrainer Thomas Lips vor der WM zurecht gelegt hatte: vier Siege nach sechs Spielen, Platz drei, Anschluss an das direkte Halbfinale.
Norwegen liefert schrecksekunde, muskatewitz kontert mit letztem stein
Die Skandinavier hatten nach dem Wechsel auf 5:3 gestellt und den deutschen Rhythmus kurzzeitig zerrissen. Was folgte, war jene Mischung aus Nervenkrieg und Präzision, die den Unterschied zwischen guter und großer Nation ausmacht. Mit einem Freeze auf den Button und einem finalen Take-out schaffte Muskatewitz den Zwei-Punkte-Hammer, der die Haare auf den Rängen aufstellte. „Das war kein Glück, das war Kalkül“, sagte Co-Skip Benny Kapp nach dem Spiel, „wir haben die Bahn in der vorletzten Endung um zwei Millimeter verlagert – genug, um den letzten Stein freizulegen.“
Die Kurve zeigt nach oben, doch die Luft bleibt dünn. Die Niederlagen gegen Polen (4:11) und Italien (5:7) liegen noch im Nacken, sie erinnern daran, dass die DCV-Auswahl in Ogden keine Ausfallserlaubnis bekommt. Die beste Lehre: Selbst wenn die Stones laufen, kann ein schlechter Sweep alles zunichte machen. Die norwegische Aufholjagd war deshalb ein Warnschuss, nicht nur ein Sieg.

Schweiz um 2.00 uhr: das erste endspiel vor dem endspiel
In der Nacht zu Dienstag kommt es zum Duell mit dem Rekordweltmeister. Die Eidgenossen haben ebenfalls vier Siege auf dem Konto, aber die bessere Steinhaltung. Wer gewinnt, rückt auf Rang zwei heran und sichert sich wahrscheinlich das direkte Ticket fürs Halbfinale. Wer verliert, muss in die Quali-Runde und dort gegen Kanada oder Schottland ran – ein Gedanke, der selbst einem Muskatewitz kalte Füße bereiten könnte.
Die deutsche Equipe hat den Vorteil der späten Partie: Die Schweiz lief erst Montagabend gegen die USA auf, während Deutschland bereits Ruhephase einlegen konnte. Sportdirektorin Petra Mittag ließ durchblicken, dass man die taktischen Varianten gegen den viermaligen Weltmeister Team Schwaller schon durchdekliniert hat: „Wir werden früher den Hammer weglegen und sie in die Mittelpfosten zwingen. Die Bahn ist schneller geworden, das passt zu uns.“
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Bei den letzten neun Aufeinandertreffen holte Deutschland nur zwei Siege. Die letzte WM-Niederlage datiert von 2025, als die Schweiz im Super-Endspiel den Deutschen den Bronzerang wegschnappte. Revanche liegt in der Luft.

Playoff-modus: zwei plätze frei, sechs anwärter, null gnade
Die Regelung ist simpel: Die ersten beiden Teams düsen direkt ins Halbfinale, Plätze drei bis sechs ermitteln in Cross-Over-Spielen die restlichen Halbfinalisten. Deutschland ist momentan auf drei, punktgleich mit der Schweiz und einem Sieg hinter Kanada. Die Formkurve stimmt, die Moral auch. „Wir haben gelernt, dass wir nach Rückständen nicht in Panik verfallen dürfen“, sagt Muskatewitz, „wir haben die besten Sweepers der Liga, und ich habe noch nicht mein letztes Draw gespielt.“
Das Endspiel findet am 4. April statt – genau fünf Monate nach dem enttäuschenden siebten Platz bei Olympia in Cortina. Die Medaillenränge waren verpasst, das Selbstvertrauen angeknackst. In Utah liegt der Fokus auf Bronze oder mehr. Die Rechnung: Wer die Schweiz bezwingt, kann sich mindestens vier weitere Spiele garantieren. Wer unterliegt, muss dreimal hintereinander gewinnen, um überhaupt um Edelmetall zu spielen.
Die deutsche Curling-Hoffnung lebt – mit einem Skip, der in entscheidenden Momenten die Eismaschine vergisst, und einem Team, das die WM in Ogden endlich wieder zur Party machen will. Die Schweiz wartet, die Nacht wird kurz, die Stones aber heiß.
