Italiens wm-trauma brennt: bosnien-spiel wird zur schicksalsfrage
Zenica wird zum Schmelztiegel. Zwölf Jahre nach dem letzten WM-Traum Italiens droht dem Tetracampeón im Bilino Polje-Stadion das nächste Fiasko – und diesmal ist der Gegner kein Fußballgigant, sondern Bosnien, das seit 2014 selbst auf WM-Parkett verzichtet.
Die tiktok-falle, die alles entfachte
60 Sekunden reichten. Federico Dimarco und Gianluca Scamacca jubelten im Fernsehzimmer, als Bosnien in Cardiff die Elfmeter schoss. Die Clips gingen viral, die RAI sendete sie im Loop, und plötzlich stand die Azzurri als Arroganz-Inkarnation da. Dimarco musste aufräumen: „Ich gratulierte Edin sofort. Wir saßen mit Familien und Kindern zusammen – wer behauptet, wir verhöhnten Bosnien, lügt.“ Dzeko bestätigte die Nachricht, lächelte und stach dann nach: „Wenn ein vierfacher Weltmeister Angst vor Wales hat, stimmt etwas nicht.“
Die Zahl, die italienische Zeitungen seit Tagen zitieren: 3 – so viele WM-Tore erzielte Italien in den letzten zwei Turnieren. Kein einziges 2010, eins 2014, zwei 2018. Dazu kommt das Elend der verpassten Katar-Quali. Kein Land mit vier Sternen war jemals so lange außerhalb des Planetenfußballs.

Gattuso schweigt, modrićs schatten lauert
In der Mixed Zone von Bérgamo wirkte Gennaro Gattuso wie nach knockout. Er sprach von „Respekt“, von „Videoanalyse“, doch seine Stimme war ein Flüstern. Hinter ihm lauerte bereits der nächste Albtraum: Luka Modrić hat Kroaten ins Finale der Nations League geschleppt, und Bosnien spielt dieselbe Pressing-Variante. Zenica wird zur Echo-Kammer italischer Angst.
Die Statistik, die niemand erwähnt: Bosnien gewann vier der letzten fünf Heimspiele, kassierte dabei nur ein Gegentor. Italien schoss in denselben fünf Auswärtsspielen zwei Tore, beide per Elfmeter. Die Prognose ist einfach: Wer zuerst trifft, spielt im Winter in Katar. Wer zuerst fällt, fällt in die sportliche Bedeutungslosigkeit.
Um 20.45 Uhr Ortszeit ertönt die Hymne. 15 000 Bosnier werden „Land der Träume“ brüllen, 3 000 Italiener antworten mit „Fratelli d‘Italia“. Dazwischen liegen 90 Minuten, in denen eine Generation ihre Legitimation verteidigt. Donnarumma gegen Dzeko, Jorginho gegen Pjanić – und irgendwo auf der Tribüne sitzt ein Kind, das 2014 noch nicht geboren war und das erste Mal sieht, was „WM-Druck“ bedeutet.
Die Wette der Buchmacher: 2,10 für Italien, 3,40 für Bosnien. Die Wette der Geschichte: Wer verliert, verschwindet für weitere vier Jahre vom Radar. Das ist kein Spiel, das in Verlängerung endet – das ist ein Spiel, das in Vergessenheit endet, wenn man vorzeitig kapituliert.
