Gino paoli starb mit 91: italiens letzter melodienpoet schweigt für immer
Mailand – Gino Paoli, der Mann, der aus einem Hotelzimmer ein Stück Himmel machte, ist am Dienstag im Alter von 91 Jahren gestorben. Mit ihm verstummt eine Stimme, die seit den frühen Sechzigern das italienische Gefühl versprach: leise, rauchig, unverwechselbar.
Der Cantautore aus Genua, geboren 1934 in Monfalcone, hatte die Gabe, aus banalen Alltagsszenarien kleine Filmsequenzen zu schneiden. Il cielo in una stanza wurde 1960 zur Hymne aller, die sich zum ersten Mal verliebten. Sapore di sale roch nach Sommer, Haut und Salzwasser. Und La gatta? Ein Lied, das Katzenliebhaber bis heute in Streit versetzt.

Sanremo war sein wohnzimmer, nicht ein podest
Fünf Mal trat er beim Festival di Sanremo an – nie als Glanznummer, immer als Gast, der sich mit den Neuen misst. 1961, 1962, 1964, 1971, 1982. Kein Sieg, dafür bleibende Songs. „Ich habe nie gewollt, dass meine Lieder gewinnen“, sagte er einmal, „nur dass sie überleben.“
Überleben taten sie. Paoli schrieb für Mina, per Pavarotti, per Ornella Vanoni. Seine Kompositionen wurden gecovert von Franco Battiato bis Carmen Consoli. In Genua, seiner Wahlheimat, hängt seit heute eine schwarze Fahne vor dem Teatro Carlo Felice. Die Stadt, die ihn adoptierte, trauert laut – mit offenen Fenstern und laut aufgedrehten Platten.
Der Tod kam laut Angehörigen „im Schlaf, ohne Alarm“. Bis zuletzt saß Paoli in seiner Wohnung über den Dächern von Albaro, schrieb noch an einem Buch über die Kunst, sich zu verlieren. „Er hat es fast fertig“, sagt seine Tochter Simona. „Fehlt nur noch das letzte Kapitel. Jetzt schreibt es jemand anders für ihn.“
Die Beerdigung findet am Samstag auf dem Staglieno-Friedhof statt – neben Fabrizio De André, seinem Weggefährten und Konkurrenten in Sachen Sehnsucht. Die Gästeliste ist lang, die Gitarren werden schon heute gestimmt. Denn wenn Gino Paoli das letzte Mal singt, will ganz Genua mitsingen. Lautstarke Stille – das war sein Markenzeits. Jetzt wird sie für immer bleiben.
