Mt melsungen attackiert sich in topform: jetzt rollt der favorit gegen fredericia
Kurz vor dem European-League-Auftakt haben die Handballer der MT Melsungen dem Spitzenreiter THW Kiel die Sprache verschlagen. 60 Minuten lang prügelten sich die Nordhessen auf Augenhöhe, ließen am Ende den Fünften der Bundesliga mit 30:29 zurück. Der Sieg war mehr als zwei Punkte – er war ein Statement.
Kiel-paukenschlag liefert die psycho-waffe fürs pokal
Kapitän Timo Kastening stand nach dem Abpfiff wie ein Befreier da: „Wir haben bewiesen, dass wir es noch können.“ Das 29:30 war nicht nur der erste Prestigeerfolg nach Wochen der Unsicherheit, sondern auch die Lizenz, wieder von sich reden zu machen. Filip Jicha, Kiels Coach und einst Weltklasse-Linksaußen, brummte stattdessen: „Die haben uns geschlachtet.“ Ein Lob, das klingt wie eine Kampfansage an alle kommenden Gegner.
An diesem Dienstag (20.45 Uhr) geht es nach Dänemark. Fredericia HK empfängt die MT in der Play-off-Hinrunde der European League. Objektiv betrachtet ist Melsungen klarer Favorit: Platz fünf in der stärksten Liga Europas gegen Platz acht in der dänischen Superliga. Doch die Zahlen täuschen. Fredericia spielt ein Tempo, das selbst Skandinaviern die Lunge schäumt. „Schneller Ball, viele Tempogegenstöße“, warnt Kastening. Und trotzdem klingt seine Stimme entspannter als vor Wochen.

Verletzte rückkehrer heben das niveau – und die stimmung
Der Grund ist die personelle Frühjahrs-Sternstunde. Erik Balenciaga und Aaron Mensing sind zwar noch nicht auf Vollgas, aber ihre Rückkehr verleiht der Abwehr die Raffinesse, die in der Gruppenphase fehlte. Torhüter Nebojsa Simic hält seit Wochen die 6-Meter-Zone dicht wie ein Tresor. Die Folge: Die MT kassierte gegen Kiel nur 29 Tore – eine magische Marke in einer Saison, in der sie zuletzt regelmäßig über 32 Gegentreffer hinnehmen musste.
Die Auslosung schenkte den Hessen ein sattes Plus: Statt gegen Top-Montpellier wartet bei Weiterkommen der FC Porto – ein Viertelfinale, das sich für ambitionierte Final-Four-Träumer kaum besser hätte inszenieren lassen. 2025 stand die MT im Final Four in Hamburg, und genau diese Erinnerung treibt sie an. „Wir wissen, wie es schmeckt“, sagt Kastening. „Aber zuerst müssen wir Fredericia wegschieben.“
Das Rückspiel folgt am 7. April in der Rothenbach-Halle, wo 4.000 Fans bereits jetzt Schlange stehen, um Karten zu ergattern. Die Euphorie ist spürbar – und sie ist berechtigt. Denn wer den THW schon vor der Pause in die Knie zwingt, darf in dieser Form auch vom europäischen Pokal träumen. Die MT ist zurück. Und sie hat sich gerade erst warmgeboxt.
