Mouriño lässt celta vigo träumen: sie spricht klartext vor dem freiburg-knaller
Marian Mouriño trommelt. 900 Celtic-Fans fliegen mitten ins Schwarzwald-Loch, sie selbst pfeift ihr Mantra: 1:2, 1:2, 1:2. Das ist keine PR-Nummer mehr, das ist ein Sieg-Gehabe. Das ist Europa-League-Viertelfinale, das ist ihr Celta, das plötzlich nicht mehr nur überlebt – es lebt.
15 Jahre primera división: der leise machtfaktor
Die Galicier haben die Liga vorzeitig gerettet. Keine Mathematik, kein Krimi, einfach ein Befreiungsschlag nach 15 durchgehenden Spielzeiten. „Das verleiht dem Projekt Stabilität, die muss man feiern“, sagt Mouriño. Sie weiß, was das bedeutet: Planungssicherheit für Trainer, Anreiz für Spieler, ein Aushängeschild für Investoren. Wer oben bleibt, kann unten aufräumen.
Der Klub ist heile Welt, weil er endlich wieder Zukunft erlaubt. Kein Abstiegs-Stress, kein Feuerwehr-Fußball, sondern ein Team, das sich in Europa beweisen darf – und will. Die Tabellen-Mitte reicht nicht mehr. Das Viertelfinale gegen den SC Freiburg ist keine Nebensache, es ist die Visitenkarte.

Balaídos als 12. mann – und die 900 außenseiter
Rückspiel daheim. Mouriño betont es dreimal im Satz: „Wichtigster Faktor.“ Das alte Stadion an der Avenida de Balaídos verwandelt sich in eine Kehrseite, die Gegner erstickt. 29.000 Stimmen, eine Wand aus Licht und Lärm. „Wir schließen mit unseren Leuten ab“, sagt sie. Sätze wie Schläge.
900 Celta-Anhänger trotzen engen Flugplänen, teuren Tickets, ungemütlichen Bundesliga-Abenden. „Sie begleiten uns durch jede Runde“, schwärmt die Präsidentin. Die Zahl klingt klein, ist aber ein Statement. Wer so weit reist, glaubt fest daran, dass sein Team auch im Möslestadion besteht. „Das pusht die Jungs ungemein“, bestätigt Mouriño. Emotionale Währung, eingetauscht in Laufkilometer.

1:2 – Das mouriño-orakel schlägt wieder zu
Ihr Tipp? 1:2, natürlich. Auswärtssieg, so wie gegen Benfica, gegen Gent, gegen Kiew. „Die Mannschaft ist angeklemmt, hungrig, zusammengeschweißt“, beschreibt sie den Gemütszustand. Keine Floskeln, sie redet wie eine Anführerin, die mitten im Kriegszelt steht.
Die Zahlen sprechen für sie: Celta gewann vier seiner fünf Auswärtsspiele in dieser Europa-League-Saison. Die Defensive steht, der Aspas-Hubschrauber landet immer öfter. Dazu die mentale Wucht, die aus dem Präsidium kommt. „Ich will immer gewinnen“, sagt Mouriño. Punkt. Keine Euphemismen, kein „wir schauen mal“. Das ist Führung, die sich auf den Rasen durchschlägt.
Frau an der spitze: stolz und geschäft
Mouriño ist die erste weibliche Präsidentin der Vereinsgeschichte. Sie spielt dieses Kapital nicht herunter, sie brennt es hinein. „Ich fühle unglaublichen Stolz auf alles, was hier passiert“, betont sie. Das „hier“ meint nicht nur den Sport, sondern auch die Akademie, die Frauen-Fußballabteilung, die sozialen Projekte. Ein Jahr voller guter Nachrichten, wie sie sagt – und das in einer Branche, in der Krisen sonst Dauergast sind.
Der wirtschaftliche Erfolg hängt am sportlichen. Jedes weitere Runde in Europa klingelt zusätzliche 1,5 Millionen Euro in den Kassen. Sponsoren springen auf, der Marktwert der Spieler steigt. Mouriño weiß: Ein Viertelfinaleinzug kann die halbe nächste Transferperiode finanzieren. Deshalb ist jedes Tor, jede Parade, jeder Fan-Schrei auch ein Kassensturz.
Am Donnerstagabend in Freiburg geht es los. Mouriño sitzt nicht in der Loge, sie steht am Spielfeldrand, schreit, jubelt, leidet. 1:2 steht auf ihrer inneren Anzeigetafel. Die Realität wird zeigen, ob das Orakel erneut recht behält. Eines ist sicher: Wer Celta Vigo unterschätzt, trägt das Risiko, von 900 Stimmen und einer Präsidentin verschluckt zu werden, die Siege nicht mehr nur erhofft – sie einfordert.
