Mourinho fliegt, 17-jähriger trifft traumhaft – benfica stoppt porto
Ein 17-Jähriger schockt das Estádio da Luz mit einem Fallrückzieher, Mourinho fliegt als „Verräter“ – und die Meisterschaft bleibt offen wie nie. Benfica holt gegen Porto 0:2 auf, doch die Schlagzeile trägt wieder einmal der 63-jährige Chefcoach.
Mourinho: „ich habe meine seele für porto gegeben“
Die Szene, die alles entfachte, dauert keine drei Sekunden. Nach dem 2:2 durch Leandro Barreiro in der 88. Minute schlenst Mourinho einen Ball Richtung Tribüne – trifft aber die Porto-Bank. Rot, Platzverweis, Tumult. Im Tunnel dann das Duell mit Lucho González, dem Co-Trainer der Gäste. „Er nannte mich 50-mal Verräter“, sagt Mourinho mit zitternder Stimme. „Ich habe Porto die ChampionsLeague geschenkt, 2004. Wer hat wen verraten?“
Die Zahlen sprechen für ihn: 123 Spiele, 87 Siege, zwei Liga-Titel und der größte Pokal Europas. Doch jetzt steht er als Feind im eigenen Stadion, umzingelt von Polizisten und Flugfeuerzeugen. Pepe, Portos Routinier, kriegt einen silbernen Gegenstand am Kopf. Die Sicherheit zögert, die Schiedsrichter pfeifen nicht mehr – sie flüchten.

Oskar pietuszewski: ein name, den portugal nicht mehr vergisst
Während Mourinho im Katakomben-Korridor brüllt, feiert ein polnischer Jugendlicher seinen ersten Profi-Treffer. Oskar Pietuszewski, erst seit Januar im Kader, vollstreckt mit einer Bewegung, die man sonst nur auf YouTube in Slowmotion sieht. Hinter ihm schreit Twitter: „Fallrückzieher des Jahres“, vor ihm lauert ein Berater, der weiß, dass der Preis für das Talent morgen um 30 Prozent steigt.
Doch der Jubel währt nur zwölf Minuten. Barreiro, lange verletzt, jagt den Ball aus 22 Metern in den Winkel. Keeper Diogo Costa ist noch am Boden, als der Schiri das 2:2 anerkennt. Die Liga hat ihr Drama, die Kameras ihren Helden – und Mourinho seinen nächsten Feind.

Der titelkampf ist offener als je zuvor
Porto verspielt die Chance, die Lücke auf sieben Punkte zu erhöhen. Sporting patzte tags zuvor in Braga, Benfica schafft die Aufholjagd. Drei Klubs, vier Punkte Abstand, neun Spieltage. Die Statistik ist eindeutig: Wer an Spieltag 25 noch Erster ist, wird in 71 Prozent der Fälle auch Meister. Doch diese Saison ist keine gewöhnliche. Sie ist durchsetzt mit Rauchfahnen, mit verletzten Torwarten – und mit einem Trainer, der sich selbst zur Zielscheibe macht.
Mourinho wird am Montag vom Verband vorgeladen. Sollte er gegen Gil Vicente auf der Tribüne sitzen, darf sein Assistent Salvio die Kommandos geben. Die Frage ist nicht, ob Benfica punktet, sondern ob der Coach bis Saisonende noch auf der Bank steht. Die Antwort lautet: Er wird bleiben. Denn er hat einen Vertrag bis 2026 – und eine Mission: „Ich will diesen Verein wieder auf den Thron stellen. Auch wenn ich dafür 100-mal Verräter genannt werde.“
Am Sonntag empfangen die Adler den FC Arouca. Die Karten sind ausverkauft, die Ordner haben neue Absperrungen bestellt. Mourinho wird wieder da sein – mit Ohrstöpseln, mit Feuer in den Augen und mit dem Wissen, dass jedes Tor jetzt eine Geschichte schreibt. Die Liga ist nicht mehr nur ein Wettbewerb. Sie ist ein Krieg, den er mit 17-jährigen Kanonieren und 63-jähriger Wut gewinnen will.
