Motsepe kniet vor dem tas: senegal-streit eskaliert in kairo
Die Trophäe liegt immer noch in Rabat, doch der Sturm tobt in Kairo: CAF-Präsident Patrice Motsepe verkündete gestern, man werde „jede Entscheidung“ des Internationalen Sportgerichtshofs TAS akzeptieren – und räumte damit ein, dass der Coup gegen Senegal zum Machttest für den gesamten afrikanischen Verband wird.
Motsepe zieht sich zurück – und lässt das feld offen
Die Formel klang gelassen, war aber ein Schulterschluss mit Marrakesch: „Wir sind 54 Verbände, wir müssen voranschauen“, sagte der südafrikanische Milliardär nach der Exekutivsitzung im Nile Hilton. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass die CAF ihre eigene Entscheidung – Titel-Aberkennung wegen Protest-Unterbrechung – juristisch kaum verteidigen kann. Der 3:0-Wertungs-Erlass gegen Senegal war intern von Anfang an umstritten; mehrere nordafrikanische Mitglieder hatten offenbar Druck ausgeübt.
Die Bombe platzte am 17. März: Kurz nach Mitternacht verlor Senegal den Titel, den es sich auf dem Rasen erkämpft hatte. Die Begründung: Spielunterbrechung nach dem umstrittenen Elfmeterpfiff für Marokko. Die Senegalesen hatten den Platz für 53 Sekunden verlassen – ein Verstoß gegen das Wettbewerbsreglement, so die CAF-Juristen. Doch das Protokoll listet keine Verwarnung auf, der Video-Schiedsrichter lief weiter, und die Marokkaner vergaben den Strafstoß ohnehin. Sekunden später fiel das 1:0 für Senegal. Die Trophäe schien vergeben.
Nun also der juristische Gegenangriff. Die FSF reichte am 21. März beim TAS ein, bezeichnet die Aberkennung als „offensichtlichsten administrativen Raubzug der Sportgeschichte“. Das Gericht in Lausanne will bis Juli entscheiden – ein Termin, der Motsepe offenbar kalt lässt. „Wir haben alles gesagt, was es zu sagen gibt“, betonte er und verwies auf neue Statuten, die „Vertrauen in Schiedsrichter und VAR-Hubs“ stärken sollen. Der Verweis auf Marrakesch 2025 ist dabei kein Zufall: Die Final-Panne soll sich nicht wiederholen.

Statuten-update als feigenblatt
Doch die Reform wirkt wie ein Ablenkungsmanöver. Die eigentliche Frage lautet: Wie viel Souveränität behält die CAF, wenn das TAS den 3:0-Beschluss kippt? Ein Rückzieher würde Motsepe blamieren, ein Festhalten den Verband spalten. Die Machtbalance zwischen frankophonen und arabischen Mitgliedern ist ohnehin brüchig. Und die Spieler? Die kicken weiter. Senegal feierte den Titel gestern im Freundschaftsspiel gegen Peru erneut – mit goldener Schleife und Provokations-Choreografie.
Die Trophäe bleibt also doppelt belegt: im Regal von Rabat und im Herzen von Dakar. Das TAS-Urteil wird nicht nur über einen Pokal entscheiden, sondern darüber, ob der afrikanische Verband seine eigenen Regeln noch durchsetzen kann. Motsepe hat die Karten auf den Tisch gelegt – und wartet, dass das Gericht sie neu mischt. Für ihn ist es die Zerreißprobe seiner Amtszeit. Für Senegal der Versuch, Geschichte rückgängig zu machen. Der Countdown läuft: Noch 72 Tage bis Lausanne spricht.
