Luis de la fuente steht vor der schwersten torhüter-entscheidung seiner laufbahn

In 60 Tagen schlägt Luis de la Fuente im Audimax von Las Rozas den letzten Punkt auf dem Papier. Dann steht fest, wer Spanien ins WM-Trio USA-Mexiko-Kanada begleitet. Die Frage, die seit Wochen die WhatsApp-Gruppen der Fans spaltet, lautet: Wer steht im Tor?

Spanien hat nicht ein Top-Keeper – Spanien hat vier. Unai Simón, David Raya, Álex Remiro und Joan García. Jeder von ihnen wäre in fast jedem anderen Land gesetzt. Nur: In der 26er-Liste passen maximal drei rein. „Wir haben kein Problem, wir haben eine Luxussituation“, sagte de la Fuente nach dem 3:0 gegen Serbien. Klang entspannt. Ist er nicht.

Der unai-faktor: routine als trumpf

Unai Simón trägt seit der EURO 2020 die Nummer 1. Kein Patzer, keine Show, nur Souveränität. 34 Länderspiele, drei Turniere, null Krisen. Im Athletic-Trikot sammelt er diese Saison 2,7 Paraden pro 90 Minuten – Spitzenwert der Liga. De la Fuente: „Ihm muss ich nichts erklären, er erklärt uns, wie man Druck ablädt.“ Die Kabine hinter ihm: stabil. Die Statistik: klar. Trotzdem nagt der Zeitgeist. Denn hinter ihm lauert ein Premier-League-Torwart, der gerade die beste Saison seiner Karriere spielt.

David Raya führt die englische Tabelle mit Arsenal an. 14 Clean Sheets, 76,8 % gehaltene Schüsse, nur Ederson liegt vor ihm. Wer in London sonntags Weltklasse ist, will Montags nicht auf der Reservebank sitzen. Sein Berater deutete schon an: „Ein WM-Platz ohne Einsatzzeit wäre keine Option.“ Druck von außen. Druck nach innen.

Der teamgeist: remiro als katalysator

Der teamgeist: remiro als katalysator

Álex Remiro war lange der Dritte. Dann riss der Bär in San Sebastián. 12 Spiele ohne Gegentor, Europacup-Achtelfinale, Kabinen-DJ, Stimmungskanone. De la Fuente schätzt seinen Einfluss auf die Gruppendynamik: „Er bringt den Funken, wenn die Stimmung mal stagniert.“ Ein Torhüter, der für Spanien spielt, aber auch für das Spanien in der Umkleide. Trotzdem: Nur drei Plätze.

Joan García ist der Jüngste, der Neue, der Aufreger. 22 Jahre, 1,84 m, Reflexe wie ein Katapult. Beim FC Barcelona löst er gerade die Ter-Stegen-Nachfolge ein. 0,78 Tore pro Spiel in La Liga – besser als Courtois, besser als Bono. Spanien jubelt: Endlich wieder ein eigenes Talent zwischen den Pfosten. Doch die Uhr tickt. Erfahrung? Null. Risiko? Groß.

Die entscheidung: zahlen, bauch, timing

De la Fuente wird nicht einfach drei Namen nennen. Er wird eine Philosophie wählen: Routine gegen Impuls, Stabilität gegen Zukunft, Zahlen gegen Bauch. Die letzte Testphase endet am 7. Juni im RCDE-Stadion gegen Ägypten. Danach gibt es kein Warm-up mehr. „Ich werde die Rechnung ohne Reue machen“, sagte er. Klingt kühl. Ist heiß.

Die Wahrheit: Wer auch immer fliegt, wird dennoch irgendwann spielen. WM-Turniere sind Marathons mit Torwart-Drama. 2010 stand Iker Casillas im Fokus, 2014 Manuel Neuer, 2018 Hugo Lloris. Am Ende zählt nicht, wer auf Platz eins steht, sondern wer in der 120. Minute den Elfmeter hält. Spanien hat vier, die das können. Die Frage ist nur: Welcher von ihnen darf zuerst beweisen, dass er es kann?