Motorrad-fehler vernichtet vollerings sieg-chance bei strade bianche
Ein Motorradfahrer wird zur Schicksalsfigur. 32 Kilometer vor dem Ziel leitet er Demi Vollering, Lotte Kopecky, Pauline Ferrand-Prévot und Kim Le Court auf eine Schotterpiste, die nicht Teil des Kurses ist. Sekunden später ist die Entscheidung gefallen – die Favoritinnen jagen fortan nur noch Phantome.
Die Szene spielt sich in Montalcino ab. Die Verfolgergruppe, 60 Sekunden hinter den 13 Spitzenreiterinnen, will die Lücke dicht machen. Stattdessen folgt sie blind dem Begleitmotorrad, das – selbst orientierungslos – nach rechts in eine nicht abgesperrte Nebenstraße einbiegt. Die Organisatoren reagieren erst, als die Sportsender bereits Bilder von verlorenen Sekunden zeigen. „Chancen vertan“, twittert der Veranstalter lapidar. Ein Euphemismus.

Warum niemand eingriff
Die Streckenposten an der Abzweigung fehlten. Kein Band, kein Marshall, kein Pfeil auf dem Asphalt. Ein Traktor hätte genauso gut dort stehen können. Die Rennleitung bestätigt intern ein „Versehen in der Koordination mit der Motorradstaffel“. Offiziell schweigt man. Die Athleten erfahren erst in der Zielgerade von Siena, dass der Rennzug ohne sie weiterging.
Die Konsequenz: der Rückstand verfünffacht sich. Was aussah wie ein kurzer Schlenker, kostet am Ende acht Minuten. Vollering bricht im Zielbereich in Tränen aus, Kopecky schlägt mit der Faust auf ihren Lenker. Ferrand-Prévot, selbst mit Plattenpech ins Verfolgerfeld zurückgestuft, kann nur lachen – bitter.
Die Gewinnerin? Ein Trio, das nie die Orientierung verlor: Liane Lippert, Elisa Balsamo und die deutsche Überraschung Lina Koch, die sich mit Platz drei die erste Top-3-Platzierung einer deutschen Fahrerin seit 2019 sichert. Koch selbst hatte vor zwei Jahren noch die Junioren-Weltmeisterschaft auf der Straße verpasst. Nun steht sie in Siena auf dem Podest, während die Topstars erklären müssen, wie man an einem Samstagnachmittag eine weiße Landstraße verpassen kann.
Die UCI leitet laut Sprecher ein „tiefgehendes Review“ ein. Die Teams fordern ein offizielles Protokoll, doch das Resultat bleibt: Strade Bianche 2026 hat ihren ersten Fehlstart – und die Geschichte des Frauen-Radsports eine weitere Episode, in der Technik stärker war als Taktik.
