Motiejunas enthüllt: nba-angebot lag auf dem tisch – aktionäre blockten
Paulius Motiejunas sitzt in einem Café in Vilnius, zuckt mit den Schultern und sagt: „Die NBA wollte acht von 13 Klubs. Ich konnte nicht unterschreiben.“ Der Litauer, bis Januar 2026 CEO der EuroLeague, bricht in einem exklusiven Gespräch mit TSV Pelkum Sportwelt das Schweigen über das gescheiterte Großprojekt einer gemeinsamen NBA-Europa-Liga.
Warum die klubs das angebot ablehnten
Die Zahnerinnerung ist noch da. 200 Millionen US-Dollar waren im Raum, plus Startgeld, plus Fernsehrechten, plus dem Versprechen, europäischen Basketball „auf das nächste Level“ zu heben. Doch als Motiejunas die 13 A-Lizenz-Inhaber in Madrid versammelte, kam es zur kalten Dusche. „Die Anteilseigner fragten: Was ist mit den anderen fünf? Sollen die vor die Tür gesetzt werden?“ Die Antwort lautete Nein – einstimmig.
Die NBA-Seite um Präsident Adam Silver plante ein 10-Team-Startup, dazu zwei mobile Franchises, die zwischen Istanbul, Berlin und Paris rotieren sollten. Die restlichen EuroLeague-Pioniere – darunter Maccabi Tel Aviv, Bayern München und Khimki – wären außen vor geblieben. „Du kannst nicht einfach Anteilseigner rausschmeißen“, wiederholt Motiejunas immer wieder, als wolle er sich selbst davon überzeugen, dass die Entscheidung richtig war.

Der kalender-knackpunkt
Neben der Frage der Teilnehmerzahl steckt ein zweiter Stolperstein tief im Detail: der Spielkalender. Die NBA will 60 Partien plus Play-offs, 48 davon in Europa. Die EuroLeague spielt derzeit 34 Hauptrundenduelle, dazu kommen nationale Wettbewerbe. „Wenn wir 60 NBA-Spiele machen, bleibt kein Fenster für ACB, BBL oder LNB“, sagt Motiejunas und schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch. „Dann sprengt das ganze Ökosystem.“
Ein internes Dokument, das TSV Pelkum Sportwelt vorliegt, listet die Folgen auf: 40 Prozent weniger TV-Einnahmen für die nationalen Ligen, sinkende Zuschauerzahlen, Ausverkauf von Traditionsclubs. Die NBA wiederum verspricht 150 Millionen Euro zusätzliche Medienrechte – aber nur, wenn sich alle 13 Klubs einigen. Ein Teufelskreis.

Geheime parallelverhandlungen
Was Motiejunas heute ärgert: Während er offiziell verhandelte, führten einzelne Klubs heimliche Parallelgespräche. „Jeder Funktionär trägt zwei Hüte“, sagt er. „Er sitzt im EuroLeague-Board und schickt nebenher WhatsApp-Nachrichten an Silver.“ Besonders aktiv: Anadolu Efes und Olimpia Milano. Beide Clubs lehnen das offizielle Statement ab, bestätigen aber, „alle Optionen zu prüfen“.
Die Folge: Misstrauen. Die Türkei-Bank Efes drohte damals sogar mit einem Rückzug, sollte die NBA keinen Deal bekommen. „Das haben sie uns nie offiziell mitgeteilt“, so Motiejunas. „Ich hab’s aus dritter Hand erfahren.“
Fiba als verzweifelter schlichter
Andreas Zagklis, Generalsekretär der FIBA, flog in den vergangenen 18 Monaten sieben Mal zwischen Genf und New York. Er organisierte Videokonferenzen, schuf Unterarbeitsgruppen, bot eigene Vermittlungsmodelle an. „Andreas hat wirklich versucht, Brücken zu bauen“, lobt Motiejunas. „Aber er kann keine Klubs zwingen.“
Ein FIBA-Kompromissvorschlag sah vor, die EuroLeague als „Conference Europe“ in ein globales NBA-Franchise-System einzubetten. Die 13 A-Lizenzen würden zu „Founder Shares“ umgestellt, die NBA übernimmt 49 Prozent, die Klubs behalten 51 Prozent. Doch genau diese Minderheit war den Investoren zu wenig. „Wir sind keine Minority-Partner“, sagt ein Clubboss anonym. „Wir haben diese Liga aufgebaut, nicht die Boys aus Manhattan.“
Die zukunft gehört – wem?
Motiejunas blickt aus dem Fenster. Draußen schreiten Studenten zur Universität, ein Basketball fliegt über den Platz. „In fünf Jahren wird es zwei Szenarien geben“, prognostiziert er. „Entweder wir finden einen gemeinsamen Kalender – oder wir haben fünf Parallel-Ligen, die sich gegenseitig die Fans klauen.“
Die Uhr tickt. Die NBA will 2027 starten, die EuroLeague plant bereits Gegenmodelle: eine „Super-Conference“ mit 20 Teams, erweiterte Play-offs, ein eigener Streaming-Dienst. „Wir brauchen keine neue Liga“, betont Motiejunas. „Wir brauchen eine neue Denkweise.“
Sein Telefon vibriert. Eine WhatsApp-Gruppe namens „Istanbul 2027“ blinkt auf. Darin diskutieren Clubbosse über Startgelder, TV-Pooling, Draft-Systeme. Motiejunas schmunzelt. „Das Spiel geht weiter – nur ohne mich.“
Die Verhandlungen sind nicht gescheitert, sie schlummern. Und der nächste CEO wird dieselbe Frage beantworten müssen: Wie viele Klubs sind zuviel, wie viele Geldgeber zu wenig? Die Antwort wird erneut Geld kosten – und vermutlich Herzen brechen.
