Ex-euroleague-chef packt aus: warum die nba-europaliga scheiterte
Paulius Motiejunas sitzt in Vilnius, nicht in Barcelona. Drei Monate nach seinem Abschied als EuroLeague-CEO redet der Litauer erstmals ungeschminkt über das milliardenschwere Poker-Spiel mit der NBA – und liefert den Grund, warum die Superliga 2027 wohl ohne die 13 A-Lizenz-Klubs startet.
„Du kannst nicht einfach Anteilseigner rausschmeißen“, sagt er. 13 Klubs, 26 Jahre Geschichte, eine Milliarde Euro investiert. Die NBA wollte nur acht. Das passte nicht. Punkt.
„Das angebot war konkret – und wurde abgelehnt“
Motiejunas bestätigt, was lange nur gemunkelt wurde: Die NBA legte 2025 ein Pakt auf den Tisch. Eine eigene Liga, Start 2027, globale TV-Rechte, 30 Millionen Dollar Startgeld pro Klub. Die 13 A-Lizenz-Inhaber – darunter Real, Barça, Olympiakos, Bayern – sagten Nein. Ihr Gegenangebot: alle 13 müssen dabei sein. Die NBA zog sich zurück. Zwei weitere Nachverhandlungen im Oktober scheiterten. Seitdem Stille.
Der 45-Jährige zuckt mit den Schultern. „Ich konnte als CEO nicht sagen: ‚Ab morgen arbeite ich nur für acht Teams.‘ Das wäre Selbstmord gewesen.“

Die parallel-realität: klubs verhandeln heimlich weiter
Obwohl die EuroLeague offiziell von „konstruktiven Gesprächen“ spricht, laufen hinter den Kulissen neue Gespräche. Motiejunas bestätigt: Einzelne Klubs verhandeln direkt mit der NBA. „Jeder Funktionär trägt zwei Hüte. Er repräsentiert seinen Klub und die Liga. Das macht es schmutzig.“
Die Folge: Uneins. Die einen wollen die NBA als Retter. Die anderen fürchten, zum Zuschauer zu werden. FIBA-Chef Andreas Zagklis vermittelt weiter, aber ohne Mandat. „Er kann nur anrufen. Er kann nicht unterschreiben.“

„Revenue per fan“ vs. feuerkorb: kulturkluft bleibt
Die NBA wirbt mit KPIs: 45 Dollar „Revenue per Fan“, 12 Minuten Werbeblock pro Spiel, globale Streaming-Deals. Die EuroLeague zählt mit Dezibel: 18.000 Fans in Belgrad, die 60 Minuten lang singen. „Sie versuchen, europäische Atmosphäre zu kopieren“, lacht Motiejunas. „Aber sie wollen keine Flares, keine Ultras, keine politischen Fahnen. Was bleibt dann? Ein Disney-Basketball.“
Sein Credo: „Know-how ja, Identität nein.“
Blick nach vorn: fünf ligen wären chaos
Motiejunas schaut aus dem Fenster. In fünf Jahren, sagt er, könnte es fünf europische Spitzenligen geben: EuroLeague, NBA Europe, FIBA Champions League, VTB, ABA. „Das wäre der sichere Tod für jedes Business-Modell. Kein Sponsor zahlt, wenn jeden Dienstag ein anderes Produkt läuft.“
Seine Lösung: eine Pyramide, verankert in den nationalen Ligen, mit gemeinsamem Kalender und geteilten TV-Rechten. „Wir brauchen keine neue Liga. Wir brauchen einen neuen Kalender.“
Ob das passiert? Motiejunas zieht seine Jacke zu. „Ich bin raus. Aber wenn sie anrufen, nehme ich den Hörer ab. Ohne mich gibt es keinen Deal. Das weiß auch die NBA.“
