Moritz müller plant den letzten tanz: mit den haien endlich ganz oben
Müller zieht die Maske runter, und drunter liegt keine Spur von Sentimentalität. 1.103 DEL-Spiele, Olympia-Silber, WM-Vize – aber kein Meisterpokal. Dieses Defizit soll am Rhein endlich verschwinden. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, sagt der 39-jährige Kapitän. Und meint: Danach ist Schluss.
Warum diese play-off-run ein einziger langlauf gegen die vergangenheit ist
Die Kölner Haie starten als Hauptrunden-Erster in die Post-Season, was ihnen bis zu einem möglichen siebten Finale jedes Heimspiel sichert. Eine Machtstellung, die Müller noch nicht erlebt hat – zumindest nicht in dieser Konstellation. Unter ihm lief nie ein anderer Klub aufs Eis, seit 2003 trägt er nur das Haien-Logo. Vier Final-Niederlagen hat er verschluckt, zwei Mal lag die Siegerehrung einen Puck entfernt. „Ich nehme keine Punkte mit, nur die Erinnerung, dass wir gewinnen müssen“, sagt er trocken.
Die Erinnerung nagt. 2018 war er Teil des Olympia-Coups von Pyeongchang, doch selbst das Silber schmeckt nach Metall, nicht nach Gold. 2023 folgte die WM-Krönung – wieder nur Silber. Nationaltrainer Harold Kreis ließ ihn in Mailand kurzfristig aus dem Führungstrio abrutschen, wollte jüngeres Marketing-Glanzlicht. Müller antwortete auf dem Eis: Zweitbester deutscher Verteidiger hinter NHL-Star Seider. „Ich brauche kein A auf der Brust, um Führung zu zeigen“, sagt er heute. „Ich brauche nur Eiszeit.“

Finne jalonen züchtete aus talent einen schwarm
Die Wende setzte ein, als der Klub 2024 Kari Jalonen verpflichtete. Der 66-jährige Finnische Taktik-Fuchs löste das Scheitern der Gotthardt-Ära auf. Statt teurer Einzelkämpfer setzt er auf Rollenklarheit: schnelle erste Passage, variable Box-Play-Formationen, ein Drittel-Pressing, das selbst Münchener Stammkunden ins Straucheln bringt. Müller blühte auf, führte die Defensive wie einen Dirigentenstab. „Er hat uns wieder Kind sein lassen“, sagt Stürmer Frederik Tiffels. „Aber mit Profi-Struktur.“
Die Kabine ist laut, aber nicht zerrissen. 13 Spieler gehören zum DEL-Millennium-Club – mehr als 1.000 Einsätze. Die Erfahrung schlägt Talent, wenn es um Temposchaltung geht. Müller selbst trainiert nach Spielen noch 20 Minuten Extra-Sprints, „weil Beine nicht altern, wenn sie arbeiten“. Sein Rücktritt ist kein Mythos, sondern ein Datum: Entweder mit dem Pokal in der Hand oder mit leerem Blick. „Ich werde nicht weitermachen, weil ich nicht aufhören kann. Ich höhe auf, weil es Zeit ist.“
Am Freitag geht’s gegen Wolfsburg, am Sonntag gegen Straubing. Die Haie sind Tabellenprimus, doch in der Play-off-Luft wird jeder Favorit leicht. Müller weiß, dass eine einzige Überzahl-Serie alles zerstören kann. „Ich habe gelernt, dass Hockey kein Karma kennt. Nur Schüsse und Saves.“
Wenn die Sirene am 30. April oder später ertönt, steht er womöglich mit leuchtenden Augen da, bereit, das Kapitel zu schließen. Kein „vielleicht noch ein Jahr“, kein „wenn mich jemand braucht“. Nur das letzte Foto mit dem Pokal, dann Adieu. „Ich will keine Geschichte schreiben. Ich will endlich die Geschichte abschließen.“
