Modric verabschiedet sich mit stil – de bruyne feuert gegen conte
Luka Modric spricht mit sanfter Stimme, Kevin De Bruyne mit scharfer Zunge. Beide haben in der Nacht zum Freitag faktisch ihren Abschied aus der Serie A verkündet – auf zwei so unterschiedliche Arten, dass man kaum glauben mag, sie hätten dieselbe Liga verlassen.
Sanfte küsse und bittere pillen
Modric bedankt sich beim Milan. Er lobt die Curva Sud, die ihn seit Januar jeden Abend in ein Meer aus rot-schwarzen Fahnen tauchte. „Das war mehr als Fußball“, sagt der Kroate, der seine sieben Monate in der Lombardei als „Herzensprojekt“ bezeichnet. Kein Wort gegen Stefano Pioli, den Trainer, mit dem er sich laut eigener Aussage „blind verstand“. Doch zwischen den Zeilen steht ein deutliches Addio.
Wenige Stunden später donnert De Bruyne in einer Zoom-Konferenz. Er nennt Antonio Contes Spielidee „statisch und vorhersehbar“. Die Formulierung trifft wie ein Seitenhieb gegen den gesamten italienischen Fußball. „Ich brauche Tempo, Überraschung, Freiheit – nicht nur einen Plan A“, sagt der Belgier. Die Wunde sitzt tief. Conte hatte ihn während der Saison mehrfach ausgetauscht, zuletzt in der 68. Minute beim 1:1 gegen Atalanta. De Bruyne ging ohne Handschlag in den Katakomben.

Allegri wird zum scharnier
Ironie der Geschichte: Massimiliano Allegri, der neue Coach von Napoli, soll nun beide Lücken schließen. Er hätte Modric gern behalten – „ein Spieler mit Hirn und Seele“, sagt er. Stattdessen könnte Adrien Rabiot als Schnäppchen-Alternative einheizen: 3,5 Millionen Euro Jahresgehalt, 30 Jahre alt, Kampfgeist statt Zauberfuß. Für De Bruyne hingegen sieht Allegri keinen Ersatz. „Wer Kevin kritisiert, hat das Spiel nicht verstanden“, kommentiert er trocken.
Die Frage bleibt: Was macht die Serie A noch attraktiv, wenn ihre größten Namen mit Frust oder feuchten Augen gehen? Die Antwort liegt nicht in PR-Sprüchen, sondern in der Tabelle: Zwei Klubs zahlen mehr als zehn Millionen Euro Gehalt pro Jahr, die Premier League hat zwölf. Die Lücke wächst – und mit ihr das Talent-Abflussrohr.
Modric fliegt nach Madrid zurück, De Bruyne nach Manchester. Die italienische Nacht wird stiller. Die Fans können nur hoffen, dass der nächste Star länger bleibt als ein paar Monate.
