Minerva hases designerin packt aus: strass, stoffe und die hasen hinter dem bronze-glamour
800 bis 1.500 Euro kostet ein Eiskunstlauf-Kostüm, das weiß Britta Gericke genau. Seit zwölf Jahren näht sie Minerva Hase aufs Eis – und erklärt, warum Federn verboten und Strass Pflicht ist.
Bei Olympia 2026 glänzten Hase und Partner Nikita Volodin nicht nur mit Tango-Kufen, sondern auch mit funkelnden Outfits. Dahinter steckt eine Frau aus Berlin, die einst selbst Turniertänzerin war und heute ihre Erfahrung in 20 Jahren Stoff- und Steinkunde bündelt. „Viel hilft viel“, sagt sie – und meint damit jede einzelne Perle, die sie per Hand auf Lycra pflanzt.
Von der tanzfläche aufs eis: so wurde gericke zur verwandlungskünstlerin
Gericke schneiderte früher ihre eigenen Kleider, heute kleidet sie Olympiateilnehmer ein. Der Übergang gelang, als ihre Tochter aufs Eis stieg und die Trainerin sie fragte: „Kannst du was für unsere Neuen machen?“ Die Neuen waren zwölfjährige Minerva und Nolan Seegert. Seitdem ist die Modeexpertin fest im Team verankert.
Der Prozess beginnt mit Musik. „Minerva erzählt mir das Thema, ich lege Stofffetzen auf den Tisch und male direkt aufs Papier“, beschreibt Gericke ihre Arbeitsweise. Choreograph Benoit Richaud liefert Stimmungsbilder, Gericke übersetzt sie in Rocklänge und Steindichte. Proben auf dem Eis? Fehlanzeige. „Die Zeit ist knapp, wir proben nur in der Kabine – und vertrauen darauf, dass Lycra jeden Fehler ausbügelt.“

Warum federn fliegen müssen und männer auch strass tragen
Ein Detail hat Gericke abgeschafft: Federn. „Die fallen ab, riskieren Stürze.“ Stattdessen setzt sie auf Mesh, Stretch-Satin und bis zu 3.000 Kristalle pro Kleid. Auch Volodin trägt keine Standard-Hosen mehr. „Ich bin keine Herrenmaßschneiderin“, lacht sie, „aber ein Tango-Oberteil mit schwarzem Strass geht immer.“ Kostenpunkt: gleiche Preisspanne, nur weniger Stoff.
Zahlt eigentlich Katharina Witt mit? Gericke bestätigt: Die zweifache Olympia-Championin half dieser Saison finanziell. „Sie sagt: Wenn die Kids glänzen, glänzt der ganze Sport.“ Einzige Bedingung: keine halben Sachen. Also: Vollstrass oder gar nicht.

Bronze statt gold – und trotzdem ein sieg fürs atelier
Als Hase/Volodin nach der Kür Platz drei holten, saß Gericke vor dem Fernseher – und tippte Minerva per WhatsApp: „Jetzt erst recht.“ Die Antwort: ein Foto von Schorni und Eminem, ihren Haus-Hasen. Zwischen Tierfotos und Strass-Rosen pflegt die Designerin eine kleine, aber feine Fan-Gemeinschaft. „Ich kenne ihre Maße besser als meine eigene Schneidermodell-Puppe“, sagt sie.
Nächster Olympia-Zyklus? Schon geplant. Gericke kaufte sich tatsächlich eine Rose namens Minerva – als Talisman. „Wenn die Blüte steht, steht auch das Kostüm.“ Bis dahin heißt es: Stoff rollen, Strass zählen, Hoffnung nähen. Und die Rechnung für 1.500 Euro gleich mitliefern.
