Milosevic droht ausfall: thioune muss um berlin-sturm rätseln

Jovan Milosevic jagt den nächsten Befreiungsschlag – doch seine Rückenprellung schlägt den Bremer Hoffnungsträger nieder. Der Serbe, der nach 13 sieglosen Spielen endlich den ersten Dreier einläutete, konnte diese Woche kaum laufen. Jetzt tickt die Uhr bis Sonntag, 17.30 Uhr, Anstoß in der Alten Försterei.

Keine trainingseinheit, nur schmerzmittel und busfahrt

Daniel Thioune spricht von „unfassbaren Schmerzen“, meidet aber ein Abschreiben. „Wir packen ihn erstmal ein, vielleicht wird’s bis dahin besser“, sagt der Coach; eine Restchance besteht, ja – aber nur, weil der 20-Jährige mit Morphinlatte und Eispackung quer durch Bremen fährt. Die Entscheidung fällt am Sonntagnachmittag, kurz vor Abfahrt nach Köpenick.

Fällt Milosevic aus, rückt Keke Topp in den Fokus. Der 21-Jährige, zuletzt für den berüchtigten Weser-Flugball verantwortlich, bekommt Lob statt Schelte. „Er kann sich wehren, er will sich beweisen“, so Thioune. Die Szene gegen Heidenheim, der Ball senkte sich erst hinter dem Jahnstadion wieder, vergessen? Fehlanzeige. Der Trainer grinst, erinnert sich an die Sekunden, als der Schuss Richtung Oberrang entschwand – und koppelt direkt das Versprechen: „Wenn wir physisch bleiben wollen, ist Keke die Nummer eins.“

Grüll, schmid oder njinmah – thioune liebäugelt mit dem joker

Grüll, schmid oder njinmah – thioune liebäugelt mit dem joker

Die Alternativen sind limitiert. Marco Grüll erinnert sich an sein Tor im Hinspiel, Romano Schmid könnte als falsche Neun aufrücken, Justin Njinmah kämpft sich nach Infekt zurück. Thioune will Union-Coach Steffen Baumgart, seinen Kumpel aus gemeinsamen 2-Bundesliga-Tagen, überraschen. „Wenn ich meine Aufstellung kappe, soll er staunen“, sagt er und meint damit: Tempo statt Target, Dribbling statt Doppelfunktion.

Die Frage ist nicht nur, wer stürmt, sondern ob Werder überhaupt die nötige Durchschlagskraft findet. 14 Spiele ohne Sieg, dann das 2:0 gegen Heidenheim – ein Schluck Wasser in der Wüste. Jetzt droht schon wieder Dürre, wenn der Knipser fehlt. Die Statistik: erst 0,75 Tore pro Partie, nur drei Teams schossen seltener. Ohne Milosevic sinkt die Quote weiter.

Am Ende bleibt ein Satz, der wie ein Mantra durch die Kabine geistert: „Erst recht in Berlin.“ Thioune will die Serie ausbauen, Baumgart will seine Revanche. Und irgendwo zwischen Schmerztabletten und Taktikbretthofft Milosevic auf eine Fahrt, die vielleicht schon in der Kabine endet. Bremen spielt nicht nur um drei Punkte – sondern um den Glauben, dass der Trend nach oben mehr war als ein einmaliger Schrei.