Milano-cortina 2026: 600 athleten, 79 entscheidungen – das winter-paralympics-fieber beginnt

Die 14. Winter-Paralympics explodieren am 6. März in Milano-Cortina mit 79 Medaillenentscheidungen – und niemand wird mehr an Örnsköldsvik 1976 denken. 50 Jahre nach den ersten Winterspielen mit 198 Athleten und zwei Disziplinen rollt die Welt mit über 600 Sportlern in sechs Sportarten auf die Alpen zu.

Italia schickt rekordtruppe

Die 42-köpfige Squadra Azzurra ist die größte italienische Delegation, die je bei Winterspielen an den Start geht. Dahinter steckt ein Systemwechsel: Seit Turin 2006 hat das italische Paralympische Komitee seine Nachwuchsstützpunkte in den Alpen verdoppelt und dabei Ski-Klubs Geld für Behindertensport-Programme gezahlt. Das zahlt sich jetzt aus. Die Konkurrenz schaut neidisch: Deutschland, Skandinavien und die USA haben jeweils nur zwischen 30 und 35 Starter gemeldet.

Die Neuen sind auch dabei: El Salvador, Haiti, Montenegro, Nordmazedonien und Portugal feiern Premiere in der Eishockey-Arena und auf der Loipe. Für sie ist schon die Qualifikation ein Sieg – und ein Signal an lateinamerikanische sowie südosteuropäische Verbände, ihre Förderbudgets umzuwidmen.

Programm mit turbo

Biathlon, Rollstuhl-Curling, Para-Eishockey, Para-Ski, Langlauf und Snowboard – das klingt nach Winterspaß, ist aber harte Physik. Beim Para-Ski beispielsweise flitzen Sit-Skier mit 100 km/h über die Pisten, während ihre Piloten mit Oberkörper-Kraft die Kurven ziehen. Im Biathlon schlagen Herzraten von 180 Schlägen pro Minute gegen Wind und Gegenwind. Wer hier trifft, hat nicht nur eine gute Hand, sondern auch eine Lunge aus Stahl.

Die Organisatoren setzen auf ein dichtes Programm: Jeden Tag mindestens ein Finale, oft zwei. Die Medaillenentscheidungen starten morgens um 9.30 Uhr, die letzte um 19.15 Uhr – damit europäische Prime-Time-Zuschauer mitfiebern können. Die ARD und ZDF haben sich die Rechte gesichert, in Italien überträgt Rai 2 und Rai Sport live. Streaming-Kanäle wie YouTube und TikTok senden Kurzformate für Zielgruppen unter 25 – ein Novum bei Winter-Paralympics.

Die zahl, die alles erklärt

79 Medaillenentscheidungen in zehn Tagen bedeuten: Pro Tag fallen durchschnittlich acht Mal Hymnien. Das ist fast doppelt so viel wie bei Sotschi 2014. Der Grund: Neue Snowboard-Disziplinen und ein Biathlon-Mixed-Staffelwettbewerb. Die Athleten lieben es – mehr Chancen, mehr Drama. Die Fernsehbucher auch – mehr Höhepunkte, mehr Werbeblöcke. Das IOC hat bereits signalisiert, das Modell für zukünftige Olympische Spiele zu prüfen.

Am 15. März um 20.00 Uhr fällt der letzte Schuss, die letzte Sekunde, die letzte Träne. Dann steht Italien nicht nur als Gastgeber, sondern als Benchmark für die Zukunft des Behindertensports da. Und Örnsköldsvik? Ein Museumsvitrinenschicksal.