Milan zerbricht am eigenen anspruch: champions-league jetzt die einzige rettung

Same procedure as every March: Der AC Milan schafft den großen Coup gegen die Top-Clubs, verspielt dann aber die Punkte gegen Cremonese und Parma. Dieses Mal rutschten die Rossoneri gegen Lazio Rom erneut auf die Glatze – und ihr Trainer Massimiliano Allegri muss jetzt zusehen, wie eine Saison, die nach Meisterschaft roch, zur Qual nach Champions-League wird.

Allegri zieht notbremse: „wir müssen fünf siege holen“

Die Rechnung ist simpel, die Lage prekär. Neun Spieltage sind noch zu absolvieren, Milan liegt vier Punkte hinter der Königsklasse-Ränge. „Wir brauchen fünf Siege, um sicherzustellen, dass wir im Mai wieder international spielen“, sagte Allegri nach dem 0:1 im Olimpico. Die Konsequenz: Intern wird der Scudetto-Slogan offiziell beerdigt. Wer intern noch von der Meisterschaft träumt, darf das ab sofort nur noch flüstern.

Der Knackpunkt war nicht einmal das Gegentor, sondern das, was davor geschah. Milan kassierte mehr Konter in der ersten Hälfte als in den gesamten vorherigen 27 Spieltagen zusammen. „Wir waren technisch schwach, disziplinlos und haben keinen einzigen Zweikampf gewonnen“, so der Coach. Die Statistik gibt ihm recht: 38 % gewonnene Zweikämpfe – ein Wert, der sogar gegen Serie-B-Teams als blamabel gilt.

Leao brach nach fehlpässen fast neben dem rasen zusammen

Leao brach nach fehlpässen fast neben dem rasen zusammen

Rafael Leao stürmte wütend in die Kabine, schlug mit der Hand gegen die Wand und wollte sich nicht einmal von Allegri beruhigen lassen. Der Portugiese hatte zwei ideale Laufwege hingelegt – und beide Mal schlug der Pass in die zweite Reihe. „Er war sauer, weil er sich bereitgemacht hatte und niemand sah“, bestätigte Allegri. Das Ganze wirkt wie ein Metapher für die gesamte Saison: viel Tempo, viel Talent, aber keiner, der die richtige Anspielstation findet.

Die Fans reagierten unmittelbar. Die Kurve im Olimpico schaltete nach 73 Minuten auf Dauerbeschallung um, die Rufe nach Scudetto verstummten. Erstmals seit 2019 war in einem Auswärtsspiel die Milan-Anhängerschaft vor Abpfiff leiser als die Heimmannschaft. Ein Video, das in den sozialen Netzwerken viral ging, zeigt, wie ein Fan sein Schal auszieht und auf den Boden wirft – Symbolbild für eine Enttäuschung, die sich seit Wochen aufstaut.

Der champions-league-krimi beginnt jetzt erst

Der champions-league-krimi beginnt jetzt erst

Die Konkurrenz schläft nicht. Atalanta gewann am Sonntag, Roma und Bologna haben ein Spiel weniger. Die Tabelle lügt nicht: Milan hat 51 Punkte, die Ränge fünf bis sieben folgen mit 47, 46 und 45 Zählern. Ein Ausrutscher reicht, um aus dem sicheren Boot Champions League in die brennende Europa-League-Quali zu rutschen. Die nächsten Gegner: Napoli (Auswärts), Udinese (Heim), Empoli (Auswärts). Keine leichte Ausbeute, aber machbar – wenn die Mannschaft endlich lernen würde, ein 0:0 über die Zeit zu retten.

Allegri kündigte an, in den nächsten Tagen mit jedem Spieler einzeln zu sprechen. Der Knackpunkt sei nicht die Technik, sondern der Kopf. „Wir haben die Angst, das Gewohnte zu verlassen“, sagte er. Gemeint ist: Statt taktischer Disziplin folgt oft Impuls. Statt Sicherheit folgt Spektakel. Und statt Punkten folgen Pokaltränen.

Der Countdown läuft. In 63 Tagen entscheidet sich, ob Milan wieder im Europapokal der Großen spielt oder ob die Saison als Rohrkrepierer endet. Die Fans haben die Hoffnung nicht aufgegeben – sie haben nur gelernt, sie kleiner zu machen. Fünf Siege in neun Spielen. Mehr verlangt Allegri nicht. Aber wenn Milan auch nur zwei Mal strauchelt, reicht das vielleicht, um das Projekt Champions League zu beerdigen. Dann wird aus dem Traum vom Scudetto am Ende vielleicht nur ein Platz unter dem Strich – und der ist bitter.