Milan knallt in san benedetto – del toro erobert tirreno-adriatico im baby-alter

142 Kilometer, ein Ziel, ein Sprint, ein Kracher: Jonathan Milan jagt sich und die Konkurrenz in San Benedetto del Tronto mit 72 km/h in die Mauer. Die Lidl-Trek-Locomotive schießt aus dem Windschatten, Paul Magnier und Jasper Philipsen kollidieren hinter ihm, liegen, klopfen sich ab – der sechste Saisonerfolg des 25-jährigen Friaulers ist besiegelt.

Was keiner sah: Im Zeitfahren hatte Isaac del Toro schon längst gewonnen. Der 22-jährige Mexikaner von UAE Team Emirates fuhr morgens 12,8 Sekunden Vorsprung zusammen, genug, um Matteo Jorgenson und Giulio Pellizzari auf die Plätze zu verweisen. Del Toro trägt jetzt das blaue Trikot, das ihn zum jüngsten Gesamtsieger der Tirreno seit Nibalis Zeiten macht.

Der unfall, der die bühne räumte

Magnier touchierte Philipsens Hinterrad, beide gingen bei 63 km/h in die Kurve, Milan spurtete unbeeindruckt weiter. „Ich hab nur den roten Pfeil gesehen, dann Vollgas“, sagte er später mit zitternden Händen. Die Jury ließ den Sprint stehen – keine Relegation, keine Strafe. Magnier wurde trotz Sturz noch Vierter, Philipsen fiel auf Rang 18 zurück.

Hinter den Kulissen arbeitete Jorgenson mit Mikro-Boni: eine Sekunde Gutverhalten auf der Flucht von Montegiorgio, genug, um Pellizzari um 0,4 Sekunden zu schlagen. Der 21-jährige Marche sprang damit vom Podest, bleibt aber moralischer Sieger: erster Giro-Test bestanden, erste Top-3-Platzierung im WorldTour-Ranking.

Was das heißt für den saison-fahrplan

Was das heißt für den saison-fahrplan

Del Toro fliegt direkt nach Katalonien, Milan lässt das E3 lieber sausen – er will in De Ronde erstmals in Flandern angreifen. Pellizzaris Red-Bull-Boss gab sich kampflustig: „Giulio fährt die Amstel-Gold-Race, dort kann er Revanche nehmen.“ Die Daten: drei Wochen bis Flandern, fünf bis Roubaix. Die Formkurve zeigt nach oben, die Nerven liegen blank.

Die Bilanz der 61. Tirreno-Adriatico: fünf Sprintentscheidungen, zwei Bergankünfte, ein Außenseiter-Thron. Und ein neues Gesicht, das sich in die Geschichtsbücher schreibt – mit 22 Jahren, 1,89 Meter Größe und einem Zeitfahren, das selbst Remco Evenepoel neidisch macht.