500 Wegwerf-vapes als autobatterie: brite baut müll-mobil, das 56 km/h schafft
Chris Doel stopfte 500 gebrauchte E-Zigaretten in eine G-Wiz und fuhr damit knapp 30 Kilometer weit. Die Botschaft: In jeder weggeworfenen Vape steckt eine funktionierende Lithiumzelle – und wir verschwenden sie.
Von der mülltonne auf die landstraße
Der britische Elektroingenieur und YouTuber Chris Doel hat sich einen Spaß erlaubt, der gleichzeitig ein Schlag ins Gesicht der Wegwerfkultur ist. Er sammelte 500 ausrangierte Einweg-Vapes, lötzte deren ioni-de-Lithium-Zellen aus, verschweißte sie zu einem 50-Volt-Paket mit 2,5 kWh Kapazität und verfrachtete das Ganze in die Bleiakku-Nische einer REVA G-Wiz, des Kult-Microcars aus Indien. Ergebnis: 56 km/h Spitze, 29 km Reichweite bei zwei Personen und eine Temperatur, die trotz fehlender Kühlung bei 29 °C blieb.
Doel steckte hinter dem Aluminium-Gehäuse nicht nur ein BMS, sondern auch 500 Sicherungen – eine pro Zelle. Ein DC-DC-Wandler versorgt Licht und Hupe, ein neu programmierter Inverter begrenzt die Anzugsleistung auf 5 kW, damit keine Sicherung fliegt. Die Lademöglichkeit per USB-C-Port macht das Vape-Mobile offiziell zum ersten Auto, das mit demselben Kabel wie ein Smartphone wieder fit wird.

Ein illegales auto, das fragen erlaubt
Britische Straßenverkehrsordnung? Egal. Die G-Wiz mit Vape-Akku darf nicht zugelassen werden, was Doel nicht davon abhielt, sie über Landstraßen und Steigungen zu jagen. Die Kamera lief, die Kommentare schwappten über. Denn die Zahl, die er in die Bilder brennt, ist einfach brutal: Allein in Großbritannien landen täglich über eine Million Einweg-Vapes im Müll – das entspricht jährlich rund 1.200 Tonnen verschenktem Lithium.
Die zweite Botschaft steckt im Detail: Jede dieser Zellen lebt länger als das Nikotinliquid, das sie eigentlich antreiben sollte. Statt sie zu recyceln, werfen wir sie weg, bevor ihr Lebenszyklus richtig begonnen hat. Doels Experiment zeigt, dass man mit handwerklichem Geschick aus „Müll“ ein funktionierendes Antriebssystem bauen kann – samt regenerativer Bremsung und Tempo 50 plus.
Die Industrie reagiert, wie sie muss: neue Sammelsysteme, Design-Verbote für Einweg-Produkte, Rücknahmepflicht. Doch bis die Politik nachzieht, bleibt das Vape-Mobile ein leuchtendes Beispiel dafür, wie viel Energie wir tagtäglich verbrennen – und das wörtlich. Wer nächstes Mal eine E-Zigarette in den Müll wirft, sollte wissen: Irgendwo in England rollt ein Auto über britische Kopfsteinpflaster, angetrieben von genau diesem verschmähten Stromspeicher.
